Gastbeitrag von E.K.

 

…dennoch stehe ich der unkontrollierten Ausbreitung der Wölfe kritisch gegenüber. Nein, ich möchte ganz sicher keine Panik verbreiten und Wölfe sind auch per se nicht „böse“, aber auch nicht „gut“. Es waren und sind schon immer Großraubtiere und das werden sie auch in Zukunft bleiben. Großraubtiere stehen ganz weit oben an der Nahrungskette und haben keine natürlichen Feinde.

Alle Menschen, die für die unkontrollierte Vermehrung und Ausbreitung der Wölfe sind, erzählen uns verharmlosend über diese Raubtiere:

  • sie sind so scheu, dass es einem Lottogewinn gleicht, mal einen Wolf zu sehen 
  • aus Angst vor Verletzungen gehen Wölfe kein Risiko ein
  • Wölfe springen nicht, sie buddeln sich nur unter Zäunen hindurch
  • da Wölfe nicht risikofreudig sind, reißen sie auch keine großen Weidetiere wie Ponys, Pferde, Rinder etc.
  • Wölfe lassen sich durch 1-2 bellende Herdenschutzhunde (passiver Herdenschutz) vertreiben
  • auch Esel und sogar Alpakas wären als Herdenschutz geeignet
  • Wölfe reißen nur altes und krankes Wild und halten dadurch den Wildbestand sowie den Wald gesund
  • Weidetiere werden von Wölfen nur deshalb gerissen, weil die schießwütigen Jäger ihnen das Wild vor der Nase wegschießen und/oder die Tierhalter zu faul sind, ordentliche Zäune zu errichten
  • Beutetiere werden grundsätzlich schnell und schmerzfrei mittels Kehlbiss getötet
  • Wölfe meiden Menschen und deren Siedlungen
  • Menschen gegenüber werden nur tollwütige Wölfe gefährlich, aber die gibt es ja im tollwutfreien Deutschland nicht
  • Wölfe jagen nur nachts, tagsüber sieht man sowieso keine
  • Wölfe beachten das Stallbetretungsverbot und machen auch nie mehr Beute, als sie fressen können
  • Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel: Wölfe machen dann mehr Beute, wenn sie Vorräte benötigen
  • bei Begegnungen (die es ja aber eigentlich nicht gibt, man denke an den 6er im Lotto) reicht es auch, wenn Menschen klatschen und rufen und sich im Rückwärtsgang langsam entfernen
  • überhaupt waren Wölfe schon vor den Menschen da und haben alleine deshalb mehr Lebensrechte
  • Wölfe sind weltweit mit einem ausgeprägten Sozialverhalten ausgestattet und leben „in anderen Ländern“ in friedlicher Koexistenz mit Menschen und Weidetieren
  • außerdem reparieren die Wölfe unser krankes Ökosystem
  • und nicht zu vergessen: Wölfe regulieren ihre Population selbständig, so dass es nie zu einer Situation käme, eine Bestandsbegrenzung durchführen zu müssen.

 

Jeder einzelne genannte Punkt wurde in den letzten Jahren mehrfach widerlegt und zwar von den Wölfen selbst.

Sie sind weder scheu noch jagen sie nur nachts, sie springen über die von den Ministerien und Experten als wolfsabweisend geltende Zäune und das auch dann, wenn Herdenschutzhunde dahinter stehen, die z.T. dann verletzt oder auch getötet wurden. Sie reißen außer Schafen und Ziegen auch Ponys, Pferde, Rinder, Kühe, Kälber und Alpakas und in Nachbarländern wie Frankreich oder Italien auch jede Menge Esel.

Unsere deutschen Wälder sind fast durchweg voller Wild. Allein durch Wildunfälle werden jährlich über 200.000 Wildtiere (Rehe, Wildschweine, Rotwild, Damwild) getötet.

Tierhalter finden häufig schwerst verletzte, lebendig angefressene Weidetiere vor, die schreien vor Schmerzen, manche können noch nicht mal das mehr leisten. Dorfbewohner berichten häufig von Wölfen, die nicht nur abends/nachts durch die Dörfer streifen, sondern auch früh morgens, wenn die Kinder zur Bushaltestelle müssen oder auch ganz normal im Laufe des Tages. Sie meiden Menschen dahingehend, dass sie nicht, wie ein Hund, herankommen zum Streicheln. Sie bleiben dann meist schon in einer Distanz von ein paar Metern, aber wer will das schon mit einem derart beeindruckenden Raubtier erleben? Mittlerweile reißen Wölfe ja auch auf Weiden direkt am Dorf, hinterm Haus wo Menschen leben und sich aufhalten. Selbst in Ställe sind sie schon eingedrungen und haben Tiere gerissen!

Ja, Deutschland gilt (oder galt?) als tollwutfrei. Doch die Wölfe, die in Deutschland leben kommen aus den östlichen Ländern zu uns gewandert und dort sieht es mit der Tollwut schon ganz anders aus. Außerdem hat der wissenschaftliche Dienst des Deutschen Bundestages in seinen Recherchen herausgefunden, dass es sehr wohl räuberische Übergriffe, von denen manche auch tödlich ausgingen, von Wölfen auf Menschen gab und gibt in Europa aber auch auf allen anderen Kontinenten. Die wenigsten Angriffe passierten durch tollwütige Wölfe; die meisten dafür grundlos und somit aus räuberischer Absicht.

Die Mehrfachtötungen (surplus killing) sind in Deutschland mehr oder weniger an der Tagesordnung. Es gibt kaum Meldungen, dass nur ein Tier getötet oder verletzt wurde, meistens waren es viele, manchmal sogar 20, 30 und noch mehr. Auch das mit dem lauten Rufen oder in die Hände klatschen wirkte bisher immer wieder so, dass der Wolf zwar einen Hüpfer nach hinten machte, aber nur, um dann im nächsten Moment wieder näher zu kommen. Ein Schäfer, der während des Hütens von einem Wolf Besuch bekam, konnte diesen alleine gar nicht von der Herde vertreiben, obwohl er mehrmals bedrohlich schreiend und wild fuchtelnd auf ihn zuging.

Dass Wölfe vor den Menschen „da“ waren, darf gerne bewiesen werden. Zumal das überhaupt keine Rolle spielt für unser heutiges Leben und Dasein. In keinem Land der Welt klappt eine friedliche Koexistenz zwischen Wölfen, Weidetieren und Menschen ohne Bejagung. Und selbst mit Bejagung ist es keine friedliche Koexistenz, sonst müsste ja nicht bejagt werden. Ein Beleg dafür, dass Wölfe unser Ökosystem (nicht Yellow Stone, wobei auch das schon lange widerlegt ist) reparieren, steht nach wie vor aus, obwohl ich in Diskussionen wirklich schon mehrfach darum bat und Wölfe ja nun schon seit 20 Jahren bei uns leben.

Das Thema Selbstregulierung konnte mir bisher auch noch niemand belegen, denn gäbe es diese, so wäre eine Bejagung, wie sie in nahezu allen Ländern der Welt – auch in EU-Ländern – vollzogen wird, nicht nötig.

 

Ich liebe Wölfe, auch wenn mir klar ist, dass ein Zusammenleben oder ein Miteinander in einer Industrie- und Kulturlandschaft, wie wir sie in Deutschland erschaffen haben, nicht möglich ist, ohne die Wölfe in ihrem Bestand zu regulieren. Das ist aus meiner ethischen und moralischen Sicht sehr wohl möglich, denn ich liebe auch alle anderen Tiere (außer das eine oder andere Insekt *zugeb*), die aber auch in irgendeiner Form, sei es durch Zucht (Weidetiere) oder Jagd (Wildtiere) kontrolliert und begrenzt werden.

So wie ich, denken sehr viele andere Menschen auch, vor allen Dingen viele, auch betroffene, Weidetierhalter und Jäger. Ich kenne kaum Weidetierhalter, die keinerlei Wölfe in Deutschland akzeptieren würden und ich kenne kaum Jäger, die erpicht darauf sind, Wölfe zu schießen. Kritisch zu denken und den Realitäten ins Auge zu schauen, anstatt sie schön zu reden oder ganz unter den Tisch fallen zu lassen, hat nichts, aber wirklich gar nichts mit Hass – in diesem Falle Wolfshass – zu tun.

Wölfe sind große Raubtiere und sie verhalten sich genauso, wie Raubtiere sich eben verhalten wenn man sie lässt. Daran ist absolut nichts Böses! Sie werden geboren, lernen von den anderen Rudelmitgliedern, folgen ihren Instinkten und vergeuden für die Nahrungssuche nicht mehr Energie, als unbedingt notwendig ist. Wölfe sind intelligent, anpassungsfähig, meiner Meinung nach optisch hübsch – es sind wunderbare Tiere. Aber nicht so nah bei/mit uns Menschen und unseren Haus- und Weidetieren, was aber zwangsläufig passiert, wenn die Population nicht begrenzt wird.

 

Vor 20 Jahren freute ich mich, dass sich wieder Wölfe in Deutschland ansiedeln, heute finde ich es traurig, weil dieses Zusammenleben immer auch den Tod des einen (Wölfe) oder anderen (Haus- und Weidetiere) bedeutet.

Eine friedliche Koexistenz ist mit Raubtieren die sich nur an ihre eigenen Regeln halten, nicht möglich, so sehr man sich das auch wünschen würde.