Gastbeitrag von E.K.

 

Ein paar wichtige Zahlen…

Der erste Blick dient nicht der Anzahl der Wölfe, sondern wir schauen zunächst auf die Bevölkerungsdichte pro Quadratkilometer. Hierbei fällt auf, dass Deutschland mit einer Bevölkerungsdichte von 227 Personen pro Quadratkilometer deutlich an erster Stelle steht, gefolgt von Italien, Schweiz und Polen.

Ebenso ist erkennbar, dass in den Ländern, in welchen sehr wenige Einwohner leben, der Wolf der regulären Bejagung unterliegt. Ausgerechnet in den Ländern mit einer hohen Bevölkerungsdichte darf der Wolf nach EU-Recht nicht bejagt werden! Nachfolgende Skizze ist aus einem Zeitraum vor 2014.

 

Die folgende Tabelle enthält Zahlen neueren Datums (2014-2019) und hält auch noch ein paar andere Fakten parat:

Aus der obigen Tabelle ist ebenfalls erkennbar, dass in Ländern mit der höchsten Bevölkerungsdichte die Wölfe unter vollem Schutz stehen. In allen anderen Ländern werden sie ganz regulär bejagt bzw. unterliegt die Jagd auf Wölfe bestimmten Kriterien (Schonzeiten, bestimmte Anzahl…). Die komplette Tabelle ist hier zu finden: Zahlenmaterial_Einwohner.

 

Seit seiner Rückkehr nach Deutschland im Jahr 2000 hat sich der Wolf stark vermehrt. Im Mai 2017 waren es ca. 760 Individuen, im Jahr darauf bereits ca. 960 Tiere. Die Schätzungen für Mai 2019 liegen bei deutlich über 1.200 Individuen allein in Deutschland.

Die nachfolgende Tabelle zeigt sehr schön, wie sich die Wölfe in Deutschland seit ihrer Rückkehr vermehrt haben.

Diese, vom DBBW geführte Zahlen zeigen sehr schön, wie die Population in Deutschland ansteigt. In verschiedener Literatur ist zu lesen, dass sich die Anzahl der Rudel/Wölfe alle 3 Jahre verdoppelt. Die Tabelle zeigt, dass es in unserem Land auch schneller gehen kann. Anfangs hat das ja auch noch gepasst. Aber zwischen 2006 und 2009 gab es eine Steigerung von 4 auf 13 Rudel, das ist mehr als dreimal so viel. Auch zwischen 2009 und 2012 haben sich die Territorien von 13 auf 33 erhöht, auch mehr als doppelt soviel. Die abschließenden Zahlen für das Monitoringjahr 2018/2019 werden erst im Herbst 2019 vollständig vorliegen. Aufgrund der zurückliegenden Entwicklung dürfen wir mit grob 150 Territorien und mehr rechnen.

Auch die Anzahl der Rudel hat sich innerhalb von drei Jahren jeweils mehr als verdoppelt; der Multiplikationssatz liegt bei etwa 2,5 bis 2,6 in den letzten Jahren.

Der Wolfsexperte Ulrich Wotischowski (verstorben 2019) informierte bei einem Meinungs- und Erfahrungsaustausch, dass in Deutschland Platz wäre für 440 Rudel.

Wir erinnern uns kurz: Wölfe leben in Rudeln, diese beanspruchen ein Territorium von 200-250 Quadratkilometer; Wölfe dulden (angeblich) keine anderen Wölfe/Rudel in ihrem Territorium, selbst Hunde werden als Konkurrenten angesehen. Die Flächen in Deutschland sind wie folgt (ganz grob) aufgeteilt:

Gesamtfläche 357.580 km² – Stadtgebiete 62.374 km² – Landwirtschaft 167.553 km² – Waldfläche 114.346 km² – Sonstige Flächen (z.B. Wasser) 13.307 km². Wildnis, also Gebiete, die nicht von Menschen genutzt werden, gibt es in Deutschland keine 2%, diese sind aber angestrebt. Diese 2% der Gesamtfläche ergeben knapp etwas über 7.000 km². Ich frage mich ernsthaft, wo genau diese 440 Rudel leben sollen? Wasser und Städte scheiden definitiv aus, somit bleiben die Flächen der Landwirtschaft (ländlicher Raum) und die Waldflächen, welche ja auch von uns Menschen zur Erholung sehr stark genutzt werden.

 

In den Jahren 2000 bis 2017 kam es zu mehr als 3.500 getöteten Nutztieren wie Schafen, Ziegen, Kälber, Fohlen, Damwild und sogar Alpakas. Für nachweisliche Nutztierrisse zahlten die Bundesländer (und somit die Steuerzahler) bisher mehr als 500.000 € Entschädigung, jedoch nur für gewerbliche Nutztierhalter; Hobbytierhalter gingen leer aus. Für präventive Schutzmaßnahmen sowie für die Einrichtung von Wolfsbüros oder -beratungsstellen liegen die Ausgaben der Bundesländer bei mindestens 4,5 Millionen Euro. Allein im Jahr 2017 betrugen die Ausgaben für Herdenschutzmaßnahmen 1.324.956 €, das ist grob das Siebenfache der Ausgleichszahlungen, die 187.894 € betrugen.

Bundesweite_Schadensstatistik_DBBW

Für das Bundesland Niedersachsen habe ich ausführliche Tabellen zusammengestellt, die das Ausmaß der Übergriffe nochmals verdeutlichen. Die komplette Datei incl. einer nachvollziehbaren Zusammenfassung ist unter diesem Link zu finden. Ein kleiner Ausschnitt zur Verdeutlichung:

Auf den ersten Blick ist schon klar und deutlich erkennbar, dass die Anzahl der Übergriffe kontinuierlich gestiegen ist. Menschen, die für den Vollschutz der Wölfe stehen, behaupten ja immer wieder, dass die Mehrzahl der Risse von streunenden Hunden ausgehen würde. Die Grafik zeigt eindeutig, dass z.B. im Jahr 2018 mehr als doppelt so viele Angriffe von Wölfen ausgegangen sind, als vom „Rest“. Diese Zahlen sind offizielle Zahlen vom Ministerium Niedersachsen.

In der Zusammenfassung ist zu erkennen, dass in den Jahren von 2008 – 2017 insgesamt 616 Übergriffe dokumentiert wurden. In nur 29 Fällen konnte bei der Überprüfung im Senckenberg-Institut DNA-Material vom „Hund“ nachgewiesen werden. Das war wohl nichts mit den streunenden Hunden, zumindest nicht in Niedersachsen (wobei es in anderen Bundesländern ähnlich aussehen dürfte).

 

Natürlich überleben nicht alle hier geborenen oder zugewanderten Wölfe. Viele fallen dem Verkehr zum Opfer, einige sterben eines natürlichen Todes, durch Management (offizielle Abschussgenehmigung) sowie durch die illegale Tötung. Bei nur wenigen tot aufgefundenen Wölfen ist die Ursache unbekannt. Die folgende Tabelle zeigt die Totfunde nach Bundesländern sortiert:

Nach Jahreszahlen aufgelistet sieht das dann so aus:

Hieraus ist sehr gut zu erkennen, dass die meisten Wölfe unserem Straßennetz zum Opfer fallen, jährlich steigend. Das ist nicht wirklich verwunderlich, denn Deutschland verfügt über ca. 645.000 km an Straßen. Auch auffallend ist die Häufigkeit der toten Wölfe, deren Herkunft nicht zuordenbar ist. Wie kann das denn sein, verfügt das Senckenberg-Institut doch angeblich über eine sehr große Datenbank, die weit über die nur in Deutschland lebenden Wölfe hinausgehen soll? In der Tabelle Zahlenmaterial_Totfunde ist die obige Abbildung nochmal in „groß“ zu sehen.

Stand 05.09.19 liegt die Meldung für das Jahr 2019 bei bereits 76 Totfunden, davon 62 mal Verkehrsunfall, 6 mal natürlich, 5 illegale Tötungen und 3 unklare. Die Zahlen der toten Wölfe durch Verkehrsunfälle steigen erschreckend schnell. Und immer wieder spielen auch Gehegewölfe eine kleine Rolle.

 

Die Wildunfallstatistik zeigt, dass in Deutschland täglich 720 Wildunfälle passieren, das sind rund 260.000 Unfälle mit Wildtieren. Durch die Jagd werden in Deutschland jährlich weit über 2 Millionen Wildtiere getötet. Allein das Rehwild liegt in der Statistik  bereits bei über einer Million getöteter Tiere, dazu noch über 600.000 Stück Schwarzwild, ca. 500.000 Kaninchen und Feldhasen sowie über 460.000 Füchse.

By Phil Roeder under CC BY License*

Wen die genauen Zahlen interessieren, der darf sich gerne die Statistik der Jahresjagdstrecke 2017/2018 anschauen. In Anbetracht dieser Zahlen kann ich mir gar nicht vorstellen, wie Wölfe in Deutschland den Wildtierbestand auf natürliche Weise regulieren sollen, was ja immer zu lesen ist. Und auch die Jäger brauchen sicherlich keine Bedenken zu haben, dass der Wolf ihnen das Wild „wegfrisst“, man liest ja immer wieder davon, dass die Jäger einen sogenannten „Kochtopfneid“ hätten. Kann ich mir persönlich an Hand dieser Zahlen nicht wirklich vorstellen.

 

Verbreitung in Europa

Der Bericht Verbreitung und Lebensräume von CH-WOLF.org zeigt uns, wie viele Wölfe in den umliegenden Ländern leben.

– Skandinavische Population ca. 300 bis 400
– Karelische Population ca. 1.000
– Baltische Population ca. 3.600
– Karpaten Population ca. 4.000
– Balkan Population ca. 5.000
– Italienische Population ca. 800 bis 1.000
– Alpen Population ca. 300 – 400
– Iberische Population ca. 2.4000
– Deutsche-Westpolnische Population ca. 400 bis 500

 

Verteilt auf einzelne Länder ergaben meine Recherchen (meist Stand 2016) folgendes Ergebnis:

In Schweden gibt es ca 340 Wölfe. Seit Anfang des Jahres 2017 gibt es eine Abschusserlaubnis von 24 Tieren, die bis zum 15.02.17 geschossen werden mussten. Die Zusammenstellung Schweden: Das Verschwinden der Wölfe gibt einen zusätzlichen Einblick in die Situation. Generell ist der Bestand der in Schweden lebenden Wölfe auf 300 Tiere begrenzt. Der Artikel Das Wolfsmanagement in Schweden durch die Jagd vom Januar 2019 enthält auch den Schwedischen Wolfsmanagementplan. In Schweden werden auch immer wieder Wölfe erschossen, weil sie Hunde angegriffen haben.

Norwegen beherbergt deutlich weniger Wölfe, geschätzte 68 plus etwa 25 Tiere, die sich im Grenzgebiet zu Schweden aufhalten. In der letzten Saison gab es trotz der niedrigen Population eine Genehmigung zum Abschuss von 15 Wölfen; für die Jagdsaison 2016/2017 wurde diese Zahl auf 47 Tiere erhöht. Die Begründung war, dass ca. 30% der Schafe von den Wölfen gerissen wurden! Im Winter 2017/2018 umfasste der norwegische Wolfsbestand 92-94 Tiere bei einer Abschusserlaubnis von 6 Wölfen durch die Schutzjagd und 24 durch die Lizenzjagd. Der Artikel Norwegen: Wolfslinzenzjagd 2018/2019 gibt nähere Informationen darüber.

In Skandinavien gibt es ebenfalls die sog. Lizenzjagd, wobei im Winter 2017 legal 26 Tiere erschossen wurden (25 waren vorgesehen, ein Tier wurde nachträglich wegen Krankheit getötet).

In Finnland leben ca. 200 Wölfe.

In Spanien leben etwa 2.000 Wölfe, in Portugal ca. 500 und Italien beherbergt etwa 1.000 Tiere.

In Frankreich gibt es wieder rund 500 Wölfe, wohingegen in der Schweiz nur etwa 50 Tiere leben (Stand Juni 2019). Auch in Österreich haben sich wieder Wölfe angesiedelt, ihre Zahl wird auf 30 Tiere geschätzt plus Durchreisende.

Rumänien beherbergt etwa 3.500 Wölfe in Bulgarien gibt es ca. 2.000 Tiere und in der Slowakei leben etwa noch 400 der Beutegreifer.

Da eine große Anzahl der deutschen Wölfe aus Polen kommt, ist auch die Zahl der dort lebenden Tiere nicht uninteressant. So wirklich genaue Zahlen konnte ich nicht ausfindig machen; die Vermutung liegt bei etwa 2.000 Tieren.

Weitere Details zu Population der Wölfe im Ausland kann man hier nachlesen: Der Wolf in Europa: Bestände und Verbreitung in den einzelnen Ländern in Europa.

Häufig wird ja darauf verwiesen, dass die Länder, in denen schon längere Zeit Wölfe leben, dies sehr gut hinbekommen und wir Deutschen sollten uns daran orientieren. Werfen wir auch hierauf einen kurzen Blick…

 

Wölfe im benachbarten Ausland

Ich weiß nicht so wirklich, aus welchen Gründen die Befürworter des Wolfes darauf verweisen, man solle nur mal einen Blick nach Frankreich oder in die Schweiz werfen, dort würde das wunderbar klappen mit dem Zusammenleben der Wölfe…

Schweiz

In der Schweiz sind die Landwirte und Bauern nicht sonderlich begeistert, zumindest nicht alle. Der Artikel Die Landwirte fühlen sich allein gelassen vom landwirtschaftlichen Informationsdienst Schweiz zeigt aktuell die Probleme der Landwirte vor Ort. In dem Bericht  Immer mehr Wölfe heulen in der Schweiz  werden die Entwicklung der Wolfspopulation, die Territorien sowie die Probleme und Risse beschrieben.

Eine Form des Herdenschutzes in der Schweiz sind die Herdenschutzhunde. Der Artikel Herdenschutz – Stimmen Aufwand und Nutzen?  vom Dezember 2017 klärt ein wenig darüber auf, dass es doch nicht ganz so einfach und unproblematisch, sehr wohl aber vereinzelt möglich ist, den Schutz der Herden bestmöglich zu gewähren.

Frankreich

Dieses Interview mit Laurent Garde, Dr. der Ökologie und Anthropologie sagt eigentlich so ziemlich alles. Besonders interessant (als auch amüsant) fand ich die Aussage, dass der Wolf durch die unterschiedlichen Herdenschutzmaßnahmen im Endeffekt nur lernt, wie er Hindernisse zu überwinden oder zu umgehen hat – Lernverhalten von Säugetieren, eigentlich ganz logisch. Dr. Laurant Garde sagt eindeutig in dem Interview: „Nehmt die Gewehre und erschießt die Wölfe – wir sind am Ende“. Persönlich empfinde ich diese Aussage als sehr traurig. Dieses Interview ist ein Auszug aus dem Film Die schwerwiegenden Folgen der Wiederkehr des Wolfes in Frankreich.

Auch der Bericht Wolfsmanagement ohne Landwirte (Frankreich) zeigt meiner Meinung nach, dass lange nicht alles so glatt läuft, wie so manche Experten uns das glauben machen wollen. Und hier scheint es nicht um ein paar wenige Ausnahmen zu gehen. Unter anderem sind dort der Bauernverband als auch der Dachverband der Landwirtschaftskammern aufgeführt…. Der Artikel vom Dezember 2016 Frankreich: Jagd auf Wölfe genehmigt zeigt die Problematik ebenfalls.

Für das Jahr 2018 sind für Frankreich 40 Wölfe zum Abschuss freigegeben worden, was der Artikel Frankreich: Neuer Managementplan für 500 Wölfe zeigt. In diesem Plan ist auch zu lesen, dass in Frankreich Nachtpferche für die Weidetiere mit einer Höhe von 3 Metern vorgesehen sind. Laut verschiedenen Berichten werden in Frankreich bei einem Wolfsbestand von 500 Tieren 3.800 Herdenschutzhunde subventioniert und dennoch kommt es zu über 10.000 gerissenen Weidetieren. Laut diesen Berichten kamen bereits 70 Herdenschutzhunde bei Kämpfen mit Wölfen ums Leben, wie viele verletzt wurden konnte ich nicht herausfinden.

Ich bin davon überzeugt, dass es in der Schweiz als auch in Frankreich vielerorts gut klappt mit dem Herdenschutz und dem Wolf. Wie aber diese Berichte zeigen, ist das bei Weitem nicht überall so und genau das darf einfach nicht weiter unter den Teppich gekehrt werden, wenn wir uns überlegen müssen, wie wir in Deutschland mit dem Wolf leben wollen.

By me’nthedogs under CC BY License*

Die Länder Schweden, Norwegen und Skandinavien regeln die Anzahl der Wölfe durch Bejagung – ganz offiziell. Dennoch gibt es auch dort immer wieder Übergriffe auf Nutztiere, aber auch auf jagdlich geführte Hunde.

Bei meinen Informationsbemühungen lernte ich einige Jäger aber auch Biologen und Tier-/Naturschützer kennen, die – ganz inoffiziell – ein bisschen erzählten…. So sei es kein Geheimnis, dass in Italien die Menschen in den Bergdörfern kurzen Prozess mit dem Wolf machen, so er sich ihnen oder ihren Tieren nähert. Schätzungen zufolge werden dabei jährlich über 100 Wölfe (illegal) gewildert und getötet. In Polen sieht es zeitweise nicht viel anders aus. Von Polen habe ich aber auch die Rückmeldung, dass es Gebiete/Dörfer gibt, da trauen sich ab Einbruch der Dunkelheit die Menschen gar nicht mehr groß vor die Tür aus Angst vor den Wölfen, die nachts durch die Dörfer schleichen.

Aus Kroatien hat mir jemand berichtet, dass es immer wieder Besuch von dem dort lebenden Wolfsrudel gibt. Die Tiere (Pferde, Esel, Kühe, Schafe und Ziegen) waren schon mehrmals nachts sehr aufgeregt, zum Teil schon fast panisch, weil die Wölfe um die 5 Hektar große Koppel geschlichen sind. Aus Angst, auch weil der Nachbarshund von den Wölfen derart schwer verletzt wurde, dass er verstorben ist, wurden die Tiere jetzt auf eine Koppel näher am Haus gestellt. Leider haben sie dort um ein vielfaches weniger Platz – auch eine Einengung der Haus- bzw. Nutztiere zu Gunsten der Freiheit des Wolfes.

In diesem Artikel aus dem Jahre 2013 wird berichtet, dass in Jakutien – das liegt im Nordosten von Russland – die Probleme mit den Wölfen extreme Formen annehmen. Von den ca. 3.500 Tieren wurden 3.000 erschossen. Mehr als 16.000 Rentiere und über 3.000 Pferde haben die Wölfe getötet.

 

Angriffe auf Menschen?

Immer wieder wird dem Interessierten suggeriert, dass Wölfe keine Menschen angreifen, es keine entsprechenden Übergriffe gäbe. Bereits im Dezember 2012 wird in „Der Welt“ in dem Artikel Zahme Tiere oder Bestien? darauf hingewiesen. Auch wenn es bereits 40 Jahre zurück liegt und es sich um einen Gehegewolf handelte, der somit an Menschen gewöhnt war, so möchte ich den Artikel von dem tödlichen Angriff auf einen 7-jährigen bei Bremen ebenfalls erwähnen. Dieser Artikel ist mir deshalb wichtig, weil er deutlich zeigt, dass Wölfe, die an Menschen gewöhnt sind, die erfahren, dass vom Menschen keine Gefahr ausgeht, durchaus selbst gefährlich werden können!

Nicht unerwähnt bleiben darf in diesem Zusammenhang die NINA-Studie („Norsk institutt for Naturforskning, kurz NINA“). Im Jahr 2002 wurde vom „Norsk institutt for Naturforskning, kurz NINA“ (Norwegisches Institut für Naturforschung) eine Studie veröffentlicht mit dem Titel „The fear of wolves: A review of wolfs attacks on humans“. Unter der Federführung von J.D.C Linnell erarbeitete ein 18-köpfiges Team diese Studie, mit der Fragestellung, wann es wo Übergriffe von Wölfen auf Menschen weltweit gab. Leider wurde die deutsche Übersetzung aktuell aus dem Netz genommen, keine Ahnung weshalb. Die englische Originalversion ist in diesem Artikel vom NABU Landesfachausschuss Wolf ganz unten verlinkt.

Der Wissenschaftliche Dienst des Deutschen Bundestages hat im Jahre 2018 eine Dokumentation zum Thema Wolfsangriffe in Europa, Russland, Asien und Nordamerika erstellt, woraus hervorgeht:

Zwischen den Jahren 2000 und 2009 wurden insgesamt 23 Angriffe von Wölfen auf Menschen dokumentiert. Dabei wurden 53 Personen verletzt und sieben getötet. Die häufigste Ursache sind räuberische Angriffe (12), gefolgt von sieben Fällen, in denen die Ursachen nicht bekannt wurden. Da die Zusammenstellung keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben kann, ist zu vermuten, dass möglicherweise mit weitaus mehr Angriffen von Wölfen auf Menschen in diesem Zeitraum gerechnet werden muss.

Insgesamt wurden zwischen 2010 und 2018 130 Angriffe von Wölfen auf Menschen registriert, denen 302 Personen – darunter 24 Tote – zum Opfer fielen. Die Ursachen der Angriffe waren nach Überzeugung der Autoren überwiegend räuberischer oder grundloser Natur. Tollwut und der Verdacht auf Tollwut waren nur in 25 bzw. sechs Fällen die Ursache der Angriffe.

 

Letzte Aktualisierung und Ergänzung am 08.09.2019

 

 

*Bilderquelle CC BY License