Gastbeitrag von E.K.

 

Die DNA-Untersuchung

Das derzeit (08.2019) anerkannte Institut für solche Untersuchungen ist das Senckenberg-Institut. Dort wird zur Erstbestimmung die mitochondriale DNA untersucht. Wichtig dabei ist zu wissen, dass Mitochondrien bzw. deren DNA ausschließlich über die mütterliche Eizelle an den Nachwuchs weitergegeben werden. Die (männliche) Samenzelle enthält keine Mitochondrien, von daher kann durch eine solche Analyse nur die mütterliche Herkunft nachgewiesen werden.

Das wiederum bedeutet:

Wölfin wird von einem Wolf gedeckt = Wolf als Ergebnis der mtDNA

Hündin wird von einem Wolf gedeckt = Hund als Ergebnis der mtDNA

Wölfin wird von einem Hund gedeckt = Wolf als Ergebnis der mtDNA

Somit können Hybriden, also Mischlingen zwischen Hund und Wolf per mitochondrialer DNA-Analyse allein nicht erkannt werden.

Andere, vom Ministerium nicht anerkannte (Stand 08.2019) Institute nutzen die y-Chromosomen und erwischen damit nur die väterlichen Linien, also auch keine Eindeutigkeit. Es gibt auch die Untersuchungsmöglichkeit, in welcher die väterliche und mütterliche Linie ausgewertet wird (autosomonale DNA, Zellkern-DNA), allerdings sind solche Untersuchungen sehr aufwendig und somit natürlich auch sehr teuer.

Laut vielen Wolfsberatern müssen die DNA-Proben innerhalb von 24 Stunden genommen werden, sonst seien sie nicht mehr auswertbar. Dazu gibt es jedoch von anderen Laboren auch gegensätzliche Aussagen. Ich bin keine Genetikerin und kann das nicht beurteilen, aber allein die unterschiedlichen Aussagen zeigen mir, dass es offenbar auch unter den Experten große Meinungsunterschiede (oder Wissenslücken?) gibt.

 

Probleme mit der Hybridisierung?

Natürlich können sich Hund und Wolf verpaaren und die daraus entstehenden Welpen nennt man dann Wolfshybriden, also Mischlinge zwischen Wolf und Hund. Wie bei allen Nachkommen haben auch diese Hybriden dann Gene beider Elterntiere. Aber wie passt das denn zusammen? Die Scheue des Wolfes mit der Offenheit gegenüber Menschen seitens des Hundes? Experten sind – wie immer – auch hier uneins. So wie die einen sagen, Hybriden seien ungefährlich, genau wie der Wolf selbst auch, so sehen andere die deutliche Gefahr darin, dass die Hybriden weniger scheu sind und somit mehr die Nähe des Menschen suchen und dadurch natürlich auch zur Gefahr werden. Nicht nur für Weidetiere, sondern eben auch für den Menschen selbst.

Manche „Experten“ behaupten, dass der Tschechoslowakische Wolfshund genau so reagieren würde, wie ein Wolfshybride in der Freiheit. Wer die Tschechoslowakischen Wolfshunde kennt, macht in aller Regel die Erfahrung, dass diese FCI-anerkannten Hunde nicht freudig auf Menschen zulaufen und diese begrüßen, wie man es beispielsweise von einem Golden Retriever oder Labrador kennt. Sie gelten als skeptisch und zurückhaltend. Meines Wissens nach wurde 1983 der letzte „echte“ Wolf in die Rasse eingekreuzt.

Mir persönlich stellt sich schon die Frage, ob es tatsächlich keinen Unterschied gibt, zwischen einer anerkannten Hunderasse, bei welcher vor über 30 Jahren der letzte Wolf eingekreuzt wurde und die bei uns zu Hause auf dem Sofa lebt, und einer F1-Generation, also Wolfsmischlingen aus der ersten Verpaarung Wolf:Hund, in freier Wildbahn lebend?

 

Untersuchungen haben sehr wohl ergeben, dass nicht nur in der deutschen Population Wolfsmischlinge existieren, sondern eben auch in den Populationen um uns herum, in den Ländern, aus welchen die Wölfe (oder doch schon Hybriden?) zu uns einwandern.

Eine Medienmitteilung vom 25.11.2017 der VWL (Vereinigung zum Schutz der Weidetierhaltung und ländlichem Lebensraum der Kantone Glarus, St. Gallen und beider Appenzell) besagt:

Die französische Landwirtschaftskammer präsentierte anlässlich einer Medienkonferenz vom 22. Nov. 2017 in Grenoble die Resultate der genetischen Untersuchungen der Wolfspopulation in Frankreich. Das Deutsche Institut für forensische Genetik und Rechtsmedizin ForGen führte in Frankreich eine unabhängige Untersuchung der Wolfspopulation durch. Von allen Proben, die entnommen wurden, konnten 60% ausgewertet werden. Bei den verwertbaren Resultaten wurden ausschließlich Wolfs-Hunde-Mischlinge festgestellt.

 

Im Original ist das hier nachzulesen. Hieß es doch bis vor kurzem, dass es in der Schweiz keinerlei Hybriden gäbe. Nun diese Untersuchung belegt aber etwas anderes. Liest man in dem Link auch die anderen Ergebnisse, so findet man einen Hinweis auf eine Probe mit dem Ergebnis 50% Hund und die Anteile der Wolfsgene stammen aus einer russischen Population. Wie kommt ein russischer Wolf oder gar schon Hybride in die Schweiz? Dort sollten sich doch lediglich die Wölfe aus Italien befinden, wie die offiziellen Stellen immer verlauten lassen?

In einem weiteren Spurenmaterial handelte es sich um ein Mischprofil aus 2 Caniden, wobei festgestellt werden konnte, dass es sich um einen Wolfsmarker aus dem baltischen Raum handelt – wie kommt dieser in die Schweiz?

Der Artikel vom 29.11.17 Wie viele „falsche Wölfe“ leben in der Schweiz? gibt ebenfalls noch einige Informationen preis. Auch in den Artikeln Hybridisierung in Italien und Folgen für die Schweiz und Wolfsmischlinge oder Hybriden in der Schweiz? wird das Problem nochmal beschrieben. Ein weiterer Artikel vom Januar 2018 belegt erneut, dass es in Frankreich eindeutig Wolfsmischlinge gibt. In dem Forensisch-genetischen Spurengutachten Frankreich ForGen-Labor findet sich ab Seite 6 die deutsche Version und Erklärung. Eine Recherche der Böhme-Zeitung vom 28.02.18 Zoff um die Wolf-Hund-Mischlinge zeigt auf, wie sehr wir Menschen in den letzten Jahren doch offenbar hinters Licht geführt wurden in Sachen „reine Wölfe“. So wie es aussieht, leben hier in Deutschland doch mehr Mischlinge, als vermutet oder bisher vom einzig offiziell anerkannten untersuchenden Labor herausgefunden wurde. Man darf gerne darüber spekulieren, ob das Labor nicht in der Lage war, die DNA-Proben richtig zu untersuchen oder ob es sogar bewusst so gewollt war, dass „falsche“ Ergebnisse hervorkommen.

 

Aber auch in Deutschland, genauer gesagt in Thüringen, gibt es aktuell Probleme und Unklarheiten, wie man mit den dortigen Wolfsmischlingen umgehen soll. Ein Haushundrüde hat eine Wölfin gedeckt, die ihre 6 Mischlingswelpen in freier Natur aufzieht. In dem Artikel Schlingen und Fangboxen für Wolfsmischlinge werden aufgestellt kann man Näheres darüber nachlesen. Auch der Artikel Wolfshybriden in Deutschland vom 20.10.2017 gibt einen informativen Einblick in die Problematik.

Das Problem mit dieser Wölfin hat sich im Jahr 2019 nochmals zugespitzt, da sie sich mit ihrem Sohn aus dem ersten Wurf verpaarte und somit erneut Hybridwelpen produziert wurden. In diesem Artikel wird darüber berichtet.

Handelt es sich hierbei um eine Ausnahme oder leben noch mehr Hybriden in Deutschland? Noch weiß man es nicht genau, Spekulationen gibt es viele – wir müssen die Nachweise abwarten. Spannend hierzu sind die Aussagen vom Senckenberg-Institut vom Januar 2018 Aktueller Wissensstand zu Herkunft, Hybridstatus und den Möglichkeiten zur Unterscheidung von Wolf und Hund in Deutschland mittels genetischer Methoden und die Gegendarstellung des Labors ForGen ein paar Tage danach Qualität, Objektivität und Transparenz – das forensisch-rechtsmedizinische Konzept von ForGen.

Eine internationale Studie vom März 2018 hat gezeigt, dass die Paarung zwischen domestizierten Hunden und wilden Wölfen über hunderte von Jahren eine genetische Markierung auf dem Wolf-Genpool hinterlassen hat. Das Ergebnis dieser Studie ist in dem Bericht New genetic research shows extent of cross-breeding between wild wolves and domestic dogs (Neue genetische Forschung zeigt das Ausmaß der Kreuzung zwischen Wildwölfen und Haushunden) nachzulesen.

Auch der Artikel Wölfe: Das Problem der Hybriden vom Mai 2019 beschreibt das Problem. In dem Artikel In Europa gibt es kaum reinrassige Wölfe  vom Juli 2019 wird das Untersuchungsergebnis der polnisch-britischen Biologin Malgorzata Pilot zusammen gefasst. Daraus geht hervor, dass rund 62% aller untersuchten Wölfe aus Europa und Asien Gene hatten, die auf Hunde in ihren Vorfahren schließen lassen.

 

Letzte Änderung 31.08.19