Ein Gastbeitrag von Katrien Lismont DOGood – Harmonie für Mensch und Tier

All zu häufig werde ich gefragt: aber was machen wir nun, wenn der Hund aufs Sofa geht und er soll das nicht? Oder wenn er den Kindern hinterher hüpft und zwickt, oder er frisst etwas, das nicht gut ist?

Manchmal fühlt es sich so an, wie wenn sich manche Leute förmlich nach einem „NEIN“ oder einem sonstigen Abbruchsignal sehnen. Ich gebe zu, es wäre in dem Sinne einfach, als das wir dann gar nicht umdenken müssten. Du parkst falsch, dann bekommst du einen Strafzettel. RUMMMS! Du fährst zu schnell, du wirst geblitzt. CHAKKA! Wer fährt denn mit Absicht zu schnell wenn er weiß, er könnte geblitzt werden? Da würde doch eine Erinnerung (also ne deutlichere als nur ein Tempolimitschild) besseren Dienst beweisen. Zum Beispiel eine Funktion im Navi, dass aufblinkt und das Tempolimit ständig anzeigt. Für mich. Bitte? Ich würde lernen, dahin zu schauen.

Egal wie auch immer, ich ertappe mich darauf, immer mit der gleichen Antwort zu kommen: vertiefen Sie Ihr Umorientierungssignal (bei mir ist das ein Schnalzer, ein Kussgeräusch oder ein „hey“ oder „guck mal“ ) so dass der Hund in jeder Situation und in jedem Kontext auf dieses Signal seinen Kopf in Ihre Richtung drehen kann, und schon haben Sie einen Fuß in der Tür. Wenn der Kopf in meiner Richtung schaut, unterbreche ich erst einmal das, worauf er gerade seine Aufmerksamkeit hatte. Meistens laufen die Hunde danach noch zu mir hin, weil sie für dieses starke Signal immer eine Verstärkung bekommen, und zwar bei mir. (OK, man kann drüber streiten, dass es dann keine reine UO mehr ist….)

Alternativ dazu, für andere Situationen wie Aggression an der Leine, trainiere ich ein Sitz mit meiner Hand am Geschirr. Auf erstem Blick nicht so einfach. Wir trainieren das so, dass der Hund das auch mit angespanntem Körper kann. Auch, wenn er schon am ausrasten war. Würde da ein Abbruchsignal helfen? Ich weiß es nicht, aber ich bin davon überzeugt, dass ich lieber einen Hund habe, der in der Situation sitzt als dass er sein ganzes Körpergewicht in die Leine wirft oder einen Anlauf dazu nehmen kann.
Wenn es brenzlig wird, „flüchten“ wir. Auch das ist trainiert. Ohne wenn und aber, dreht sich der Hund auf das entsprechende Signal um und läuft mit mir aus der Situation weg. Auch wenn er unter Spannung ist. Es geht. Es braucht ein wenig Fleiß, aber es lohnt sich. Nur so kommen wir immer mehr vom negativen Denken weg. Ich brauche kein Abbruch Signal. Die Vollbremse nur ganz selten. Ich sage ihm, was er tun soll. Ohne Umweg über einen Abbruch. Das Leben da draußen ist voller schwierigen Situationen genug für unsere Hunde.

Das erste große Umdenken beim Trainieren mit positiver Verstärkung ist, zu überlegen was der Hund tun soll. Nicht was er sein lassen soll. Und ihm ein paar gut sitzende Alternativen bei zu bringen, die die unerwünschte Situation abschwächen oder unmöglich machen. Von den anderen Quadranten hat der Alltag genug zu bieten.

Jetzt könne man sich fragen, was hat der Gebrauch von nur einem Signal in vielen Situationen mit Kreativität zu tun? Es ist in sofern kreativ, als dass ich meine Kommunikation einfach halte, für den Hund und für mich, und dass ich damit auf unangenehm aufgebaute Abbruchsignale verzichten kann. Ich kann verzichten auf die Positive Strafe (Discs, Wasser, Ruck etc.), auf die negative Strafe (Frust, Hemmung, Einschränkung etc.). Und ich unterbreche dennoch eine Handlung. Wie einfach ist das?

Dennoch kann man auch das Repertoire vergrößern: für das Sofa kann man tatsächlich ein „runter“ trainieren, aber alternativ kann man ihn auf seinen Liegeplatz schicken, auch positiv auftrainiert. Vielleicht gibt es in den individuellen Haushälten noch zig andere Möglichkeiten. Bleiben Sie kreativ.
Fürs drängeln kommt bei mir das „Sitz“. Fürs Hochspringen an Personen auch. Ja, ich finde „Sitz“ wichtig. Wenn der Hund sitzt, macht er keine anderen Sachen, die mich in die Bredouille bringen. Zumal ich insgesamt knapp 85 kg auf 12 Rädern an der Leine habe. In der Sitz Position befindet sich der Körper in einer zurückgelehnten und stationären Haltung. Haltung wird zum Verhalten. Gelernt bei Tellington TTouch®.
Ja es kann zu Rückverkettungen kommen. Dann muss man schneller denken als der Hund. Und analysieren.

Es ist meine Erfahrung, dass wenn Abbruch oder No Reward Marker benutzt werden, die Positiven Signale einfach schwächer oder langsamer umgesetzt werden. Man sabotiert sich selber. Deswegen müssen dann wieder die NRM häufiger zum Einsatz kommen und so beisst sich die Katze in den Schwanz.

(Wer wissen will, wie man mit Spaß und Dollerei ein bombenfestes Sitz trainiert… → „Seminar „Frust und Freude im Umgang mit auffälligem Verhalten.“ Und nein, keine Angst, wir arbeiten nicht nur am Sitz an dem Wochenende, sondern wir bauen das nebenbei im Spaß und Spiel ein)

Und so kann das „nein“ immer weniger werden. Das „öh-öh“ auch. Und „tabu“, „Pfui“ und „Schade“ , etc. Dazu brauchen auch die Menschenkunden Hilfe und Zeit, dies zu lernen. Mein größter Erfolg ist, wenn Kunden auf ein Alternativ Signal, das 100% positiv trainiert ist, zurückfallen können und immer weniger Abbruch oder unkontrollierte „Ah’s“ und „Oh’s“ benutzen. Ich habe einige solche. Und bin sehr stolz auf sie. Das sind meine „kreativen“. Die vereinen Herz und Kopf im Training und starren sich nicht auf 4 Quadranten blind. Danke an Euch! Ihr wisst, wer gemeint ist.

*gemeint sind die 4 Quadranten der operanten Konditionierung:
Positive Verstärkung Positive Strafe
Negative Verstärkung negative Strafe

 

 

 

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