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Gastbeitrag von T.L.

Da Cesar Millan im Jahr 2017 erneut eine Deutschland-Tour plant, ist es meiner Meinung nach sinnvoll, sich mit diesem Herrn erneut zu beschäftigen.

Seit vielen Jahren läuft auf dem Sender SIXX „Der Hundeflüsterer“ mit Cesar Millan, dem mexikanischen Hundeguru aus Amerika. Ich bekenne mich als Kritikerin seiner Methoden, mit Hunden umzugehen; für mich ist das reine Tierquälerei. Meine Begründung ist sehr einfach: Cesar Millan arbeitet über Zwang und Gewalt. Aber das ist nicht nötig, denn es geht definitiv auch anders und zwar bei allen Hunden, auch bei den ganz aggressiven, von Herrn Millan als Red Zone Hunde bezeichnet. Eben weil es anders, also gewaltfrei, geht, ist die Anwendung jeglicher Mittel, die einem Hund Angst oder Schmerz zufügen, zu verurteilen. So sieht es im Übrigen auch unser deutsches Tierschutzgesetz vor!

Natürlich hat Cesar Millan viele Anhänger und Fans, aber die Kritiken und Kritiker werden immer mehr, was u.a. auf dieser Seite nachzulesen ist: Gegen Cesar Millan den „Hundeflüsterer“ (Facebook-Seite). In der Vergangenheit gab es auch einige Interviews mit Cesar Millan, über eines davon bin ich vor wenigen Tagen nochmals gestolpert. Die Jungle World Verlags GmbH veröffentlichte: „Olaf Neumann: Cesar Millan im Gespräch über Menschen und Hunde – “ Im Ghetto sieht man keine Pudel“.

Ich könnte jeden zweiten Satz kommentieren, aber das würde hier zu weit führen. Das gesamte Interview ist am Ende dieses Artikels verlinkt, ein paar Passagen möchte ich näher beleuchten…

Im Laufe des Interviews fragte Olaf Neumann, weshalb ausgerechnet der Pitbull „Junior“ sein Lieblingshund sei. Unter anderem antwortete C.M. darauf folgendes:

Mit Hilfe von Junior möchte ich die Vorurteile gegenüber Pitbulls abbauen. Dass diese Rasse generell böse und gefährlich ist, halte ich für einen fatalen Irrtum. Sobald ein Pitbull mit anderen Hunden zusammen ist, zeigt er seinen Helfercharakter.

Leider hat er nicht erklärt, was es mit diesem „Helfercharakter“ genau auf sich hat, woraus dieser besteht, wie er sich äußert… und auch nicht, weshalb dieser offenbar nur zum Vorschein kommt, wenn ein Pitbull mit anderen Hunden zusammen ist. Ob man da nochmal genauer hinterfragen sollte? Auch auf Nachfrage bei mehreren Hundetrainern aus Deutschland konnte mir keiner erklären, wie ein Helfercharakter eines Hundes genau aussieht….

Auf die Frage, wo er gelernt hat, wie man mit Hunden trainiert, wusste Cesar folgende Antwort:

Ich wollte das eigentlich von den Amerikanern lernen: Ich bin mit Lassie und Rin Tin Tin aufgewachsen. Doch dann habe ich festgestellt, dass die meisten Amerikaner überhaupt nicht wissen, wie man einen Hund ausführt. Sie lassen sich von ihren eigenen Tieren schleifen.

Leider wissen wir jetzt immer noch nicht, wo Cesar Millan seine Fähigkeiten erlernt hat.

Aber es gibt auch Sätze in diesem Interview, denen ich zustimme, wie z.B. diesem hier:

Wenn ein Hund nervös, aggressiv, ängstlich oder aufgeregt ist, wird er nicht hören.

Klug erkannt Herr Millan. Nur weshalb versetzen Sie die Hunde immer wieder in Angst, weshalb zeigen die Hunde Ihnen gegenüber aggressives Verhalten? Weshalb arbeiten Sie nicht über vertrauensbildende Maßnahmen, sondern über Zwang, Gewalt und Strafe?

Deshalb bringe ich meinen Klienten zuerst die Grundkenntnisse bei und erst dann sprechen wir über ihre Hunde.

Welche Grundkenntnisse? Wie stranguliere ich einen Hund? Oder doch lieber, wie man schnell auf’s Knöpfchen vom Reizstromgerät drückt?

Auf die Frage, was Menschen falsch machen im Umgang mit Hunden, wurde Cesar Millan deutlich:

Aggressionen sind nicht das Problem, sondern das Symptom. Deshalb versuche ich immer, Menschen von ihren schlechten Gewohnheiten zu befreien.

Wer entscheidet eigentlich, welche Eigenschaften für welche Menschen gut oder schlecht sind? Ich weiß nicht, ob es sich um Arroganz oder reine Selbstüberschätzung handelt?

Jetzt kommt aber die wichtige Aussage:

In meinen Sendungen sieht man diesen Prozess nicht, denn es ist Fernsehen.

Mir scheint, es gibt Menschen, die um keine Ausrede verlegen sind. Aufklärende Gespräche mit dem Hundehalter, Erklärungen, wie ein Verhalten entstanden sein könnte und wie man daran trainieren kann, das fände ich deutlich wichtiger und informativer für den interessierten Hundefreund, als alles andere. Weshalb also ist es Cesar so wichtig, dass man dies im Fernsehen nicht zeigt, dafür aber seine tierquälerischen Vorgehensweisen?

Auf den Satz, dass er in seinen Liveshows Hunde aus dem Publikum auf die Bühne holt, gehe ich jetzt gar nicht näher ein, denn dies wurde ihm in Deutschland untersagt. Der Hundeflüsterer, der die ach so gefährlichen Hunde trainiert, ist durch die Prüfung gerasselt in Deutschland, die er absolvieren musste. Diese Prüfung erwartet ein Mindestmaß an Sachkunde! Seine Show durfte er zwar abhalten, aber er durfte nicht mit den Hunden arbeiten! Nachzulesen ist dies in den beiden folgenden Beschlüssen: VG Hannover vom 15.09.2014 und OVG Lüneburg vom 17.09.2014.

Die Frage, weshalb Menschen Hunde mögen beantwortete er unter anderem mit diesen Sätzen:

Es geht darum, die Bedürfnisse des Hundes zu erkennen: Bewegung, mentale Stimulation, Zuneigung. Viele Herrchen und Frauchen geben ihrem Liebling aber nur Zuneigung, und zwar so lange, bis dieser irgendwann wütend wird. Und diese Wut soll dann mit bestimmten Werkzeugen unterdrückt werden. Als Coach will ich aber Hundeführung lehren und nicht Hundeunterdrückung.

Ich kann doch lesen? Weshalb dann Würge- oder Stachelhalsbänder oder gar Reizstromgeräte? Zählt es nicht zur Unterdrückung, wenn sich der Hundeflüsterer mal wieder auf den Hund wirft, um seinen Alphastatus, seine Dominanz zu demonstrieren? Was ist das, wenn es keine Unterdrückung ist?

In der nächsten Frage ging es darum, ob Hunde die überlegeneren Wesen sind. In dem einen oder anderen Bereich sind uns die Hunde sehr wohl überlegen, ich erinnere hier nur an die enorme Riechfähigkeit. Cesar Millan wusste dazu…

Ich glaube, alle Tiere sind gleich programmiert, um ihr Lebensziel zu erreichen, das Ausgeglichenheit und Harmonie ist. Sie streben nicht nach Geld und Ruhm, wie der Mensch, der sich deshalb für überlegen hält. Ich sehe in einem Hund keinen Schüler, sondern einen Lehrer.

Ausgeglichenheit und Harmonie – erzwungen durch Stromreizgeräte und Unterwerfung? Ob das gelingt? Nein, Hunde streben weder nach Geld noch nach Ruhm, auch möchten sie die Weltherrschaft nicht übernehmen und streben deshalb auch nicht danach, Rudelführer zu sein. Aus genau diesem Grund benötigen wir auch keine Rudelführer-Theorien und somit auch keinen Cesar Millan.

Der Hundeflüsterer sieht in den Hunden keine Schüler, sondern Lehrer – das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Von einem Lehrer lernt man doch, oder? Was lernt Cesar Millan also genau, während er einen Hund einschüchtert und bedroht?

Weiterhin weiß Millan zu berichten:

Wenn ein Hund einen Menschen nicht mag, denn liegt das an der Energie, die dieser verströmt. Sie ist unsere Identität in der tierischen Welt.

Anstatt mitzuteilen, wo er sein Wissen erlangt hat, verweist Cesar Millan immer wieder auf seine Energie. Klappt es nicht zwischen Mensch und Hund, muss es wohl an der – nicht vorhandenen oder falschen – Energie liegen? Dass ein Hund evtl. keine oder negative Erfahrungen mit Menschen gesammelt hat, schließt der Hundeguru aus?

Damit erklärt er ja so einiges und redet sich um so manche fachliche Antwort geschickt herum. Wer Energie hat, benötigt nämlich kein Fachwissen – zumindest kommt es für mich so an.

Olaf Neumann stellte dann eine für mich sehr interessante Frage, nämlich wie Cesar Millan eine Beziehung zu einem schwierigen Hund aufbaut. Für mich deshalb spannend, weil ich bisher noch nie so etwas wie eine „Beziehung“ zwischen Cesar und einem der zu trainierenden Hunde gesehen habe.

Erkennen konnte ich Angst und Meiden seitens der Hunde. Das Wort „Beziehung“ hat für mich aber eine warmherzige Bedeutung, das hat etwas mit Liebe und Vertrauen zu tun. Mir ist schon klar, dass es auch „schlechte Beziehungen“ gibt, aber dann steht dies eben dabei.

Auch hier, wie schon so häufig zuvor, viele Worte ohne Auskunft zur Frage:

In dem Moment, wo mich jemand zu sich nach Hause einlädt, versuche ich erst einmal herauszufinden, in welcher Verfassung jedes einzelne Familienmitglied und der Hund sind. Ist hier jemand nervös, ängstlich, aufgeregt, unsicher? Dann versuche ich diese Person zu stabilisieren, indem ich ihr die Energie, die sie verströmt, bewusst mache und diese umzupolen versuche. Eigentlich müsste ich nur alle Menschen aus dem Raum schicken, damit sich der Hund ändert. Wenn Ihr Hund partout nicht auf den Befehl »Sitz!« hören will, dann sind Sie einfach zu gereizt. Hunde reagieren nicht auf Lautstärke, aber sie spüren menschliche Energie. So behandeln Behinderte ihre Hunde in der Regel besser als Nichtbehinderte.

Und wie genau baut er jetzt eine Beziehung auf?

Im weiteren Verlauf des Interviews war zu erfahren, dass die Trainingsstunden kostenlos sind! Herr Millan bittet nur um eine Spende für seine Stiftung. Dazu gibt es einige Gerüchte, die davon sprechen oder schreiben, dass er bis zu 60.000 $ für seine Trainings nimmt (Mail online News oder Dog Training Collars Articles).

Außerdem ist zu lesen, dass Cesar Millan den Cockerspaniel einer Prominenten trainierte; viele Hundetrainer kamen nicht weiter. Der Hund biss über mehrere Jahre seine Besitzerin. Cesar schaffte es das Verhalten des Hundes innerhalb von 15 Sekunden(!!!) zu ändern; für die Veränderung des menschlichen Verhaltens benötigte er 3 Tage.

Ich will ja nichts sagen, aber einen Hund, der über Jahre hinweg seinen Besitzer gebissen hat, in 15 Sekunden „zu ändern“ klingt für mich schon sehr unrealistisch.

Der Journalist fragte „Kritiker werfen Ihnen vor, Sie würden Hunde einschüchtern und Foltermethoden mit Hilfe von Elektrohalsbändern, Kettenwürgern und Stachelhals-bändern anwenden. Was sagen Sie dazu?“

Diesen Vorwürfen widerspreche ich vehement. Ich schüchtere keine Hunde ein, ich trainiere zuerst Menschen, bevor ich mich deren Hunden widme.

Weshalb sind dann in allen Videos die zu sehen waren, die Hunde eingeschüchtert? Sieht er das wirklich nicht? Hat er so wenig Ahnung von Hundeverhalten, Körpersprache und Ausdruck?

Es gibt ein paar Ausnahmefälle. Manchmal komme ich zu Leuten, die diese Werkzeuge bereits benutzen. In manchen Teilen der Welt sind sie ja legal. Wenn das also der Fall ist, dann zeige ich ihnen wenigstens, wie man es richtig macht.

Ich erinnere an die Aussage weiter oben „Und diese Wut soll dann mit bestimmten Werkzeugen unterdrückt werden. Als Coach will ich aber Hundeführung lehren und nicht Hundeunterdrückung.“ Ein vernünftig und seriös arbeitender Hundetrainer, dem es wichtig ist, Hunde nicht zu unterdrücken, der zeigt meiner Meinung nach seinen Kunden, welche Werkzeuge sie verwenden können, damit der Hund sich wohl fühlt, keine Schmerzen und keine Angst empfinden muss. Das klingt für mich nach einer erneuten Ausrede seiner nicht vorhandenen Kompetenz in Sachen Hundetraining.

Kritiker suchen sich immer einen bestimmten Aspekt meiner Arbeit heraus und tun so, als würde ich nichts anderes machen.

Gäbe es wirklich so viele Kritiker, wenn es nur um einen bestimmten Aspekt seiner Arbeit ginge? Im In- und Ausland warnen führende Verbände, Tierärzte, Hundetrainer, Fachleute und Kynologen vor solchen Erziehungsmethoden, die hauptsächlich bei ihm zu sehen sind. Gerne würden Kritiker einmal sehen, wie er gewaltfrei mit Hunden arbeitet.

Sie recherchieren nicht, wie alles angefangen hat, und auch das Ende ist ihnen gleich.

Die Tatsache, dass Cesar Millan’s Kunden Knebelverträge unterzeichnen müssen, die sie zum Stillschweigen verdonnern, weckt in mir die Frage, was es da wohl zu verbergen gibt? Durch solche wird das Misstrauen doch erst richtig geweckt und Recherchen zum Teil im Keim erstickt, zumindest aber sehr erschwert. Nach und nach tauchen immer mehr Wahrheiten auf, was aus den Hunden zum Teil geworden ist, es gab auch Todesfälle, die vermeidbar gewesen wären. Nein, den Kritikern ist das Ende nicht gleich, denn ihnen ist ein Hundeleben sehr wichtig!

Sie fragen mich nicht persönlich, sie mutmaßen lieber.

Was hilft es Fragen zu stellen, wenn man keine Antworten erhält, wie ja auch in diesem Interview deutlich zu erlesen ist. Außerdem gibt es genügend Videomaterial zu sichten, da muss man nicht mehr mutmaßen. Weshalb wurde denn, seitens des Managements von Cesar Millan, versucht, die schlimmsten und grausamsten Videos aus dem Netz zu nehmen?

Die Spannung bleibt erhalten bis zur letzten Frage „Manche behaupten, Sie würden Hundebesitzer dahingehend trainieren, dass sie uneingeschränkte Macht über ihr Tier gewinnen.“

So sieht es in den Videos aus, der Mensch macht mal kurz „gscht“ oder drückt aufs Knöpfchen vom Reizstromgerät und der Hund spurt – aus Angst und aus keinem anderen Grund! Aber Cesar weiß es besser…

Das ist ein Missverständnis. Beim Thema Sport hat niemand ein Problem mit dem Wort Dominanz. Aber wenn ich dasselbe Wort im Zusammenhang mit einem Haushund benutze, wird es negativ interpretiert.

Beim Sport konkurrieren Teams, Mannschaften oder auch Einzelpersonen um den Sieg. Ein Sieg oder ein Gewinn hat etwas mit Macht und Dominanz zu tun. Auf unsere Hunde umgelegt: Um was konkurriere ich mit meinem Hund? Doch um die Weltherrschaft? Ich kämpfe nicht mit meinem Hund um einen Sieg oder Gewinn, ich möchte einen angenehmen Begleiter in meinem Hund, der mir vertraut. Aber lesen wir weiter, vielleicht kommt die Auflösung ja noch…

Ich möchte vor allem Menschen dabei helfen, ihre Ängste und Unsicherheiten zu erkennen und diese in Selbstvertrauen umzuwandeln. Wenn sie ohne Selbstzweifel sind, kommen sie auch besser mit ihrem Hund klar.

Amen! Weshalb hilft er dann den Menschen nicht zu mehr Selbstvertrauen? Ich konnte in keinem Video sehen, dass er Menschen dazu verhilft. Ich konnte hingegen immer wieder sehen, wie er Tiere misshandelt, unterdrückt und quält. Wieder eine Aussage, die so nicht ganz schlüssig ist für mich.

Das hat nichts mit Einschüchterung zu tun. Es geht darum, Menschen und Hunden ein glückliches und ausgeglichenes Miteinander zu ermöglichen. Kommunikation ist die Mutter der Bindung.

Es hat nichts mit Einschüchterung zu tun? Herr Millan der Hunde würgt, kickt, ruckt bedroht, unterwirft und so weiter, schüchtert nicht ein? Was ist das für ein Ausdrucksverhalten der Hunde in den Videos? Angst, pure Angst! Die entsteht durch Einschüchterung, auch wenn man sich das gerne schönreden möchte. Hunde können kein glückliches und ausgeglichenes Miteinander mit Menschen führen, die sie ängstigen.

Wenn Kommunikation die Mutter der Bindung ist, was vermittelt der Hundeflüsterer gerade dem Hund, der gewürgt um sein Leben bangt, der gerade einen Stromschlag abbekommen hat? Baut sich so Bindung auf? Bezeichnet Cesar Millan diese Tierquälerei als Kommunikation?

Ich weiß es nicht! Alles was ich bisher gesehen und gelesen habe zeigt Gewalt im Umgang mit Hunden, die in keiner Situation nötig gewesen wäre. Hunde sind Mitgeschöpfe, die unsere Liebe genauso verdient haben, wie einen respekt- und vertrauensvollen Umgang. Auch oder gerade die (Red-Zone)Hunde, welche schon häufig negative Erfahrungen mit Menschen machen mussten…

Gewalt fängt da an, wo Wissen aufhört. (Moshe Feldenkrais)

Wie versprochen, hier der Originalartikel, auf den ich mich hier beziehe.

Danke fürs Lesen!

 

 

 

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