Gastbeitrag von Elke Kauth

Am 15. April 2014 stand ein Artikel in unserer Tageszeitung „Die Rheinpfalz“, geschrieben von der Reporterin Heike Klein. Sie hat mich Anfang April telefonisch kontaktiert und mir ein paar Fragen zu unserem Grundstück bzw. Hundeplatz gestellt, da wir diesen ja – wie schon mehrfach berichtet – auf Anordnung der Stadtverwaltung Neustadt, zurückbauen müssen. Nun ist der Artikel erschienen Artikel Rheinpfalz.

Daraus geht hervor, dass zwei der sechs gemeldeten Hundeschulen in Neustadt kein offizielles Übungsareal mehr für ihre Tätigkeit haben, eine dritte muss bald räumen. Die Kollegin Ulrike Schwarz musste ihren bisherigen Hundeplatz bis Ostern räumen und sucht verzweifelt ein neues Gelände. Der Abteilungsleiter der Bauaufsicht, Björn Sommer, macht da keinerlei Hoffnung und erwähnt, dass solche Areale im Außenbereich grundsätzlich nicht zulässig sind! Mir wurde bei meiner Verhandlung das gleiche gesagt mit dem Verweis auf ein Industriegebiet. Leider sind die Quadratmeterpreise (um die 100,00 €) dort nicht bezahlbar, wie auch Frau Schwarz erleben musste.

Auch die Hundeschule Müller am Soldatenweiher muss demnächst weg. Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, wie Klemens Müller vor ca. 20 Jahren das Gelände kaufte und auch sehr viel Arbeit hinein steckte. Laut Stadtverwaltung ergeht auch für die Grundstücke in diesem Bereich demnächst die Verfügung, wonach alles abgerissen werden muss.

Es erweckt für mich den Anschein, dass die Stadt Neustadt keine Hundeschulen mag. Aber weshalb nicht? Hat Neustadt denn so wenig Hunde, dass es nicht nötig wäre? Laut Rheinpfalz waren im vergangenen Jahr 2.523 Hunde gemeldet, Tendenz im Vergleich zu den Vorjahren, steigend! Ob dieser Zahl verwundert es mich umso mehr, dass Neustadt offenbar keinen Platz zur Verfügung stellen möchte, auf welchem mit Hunden trainiert werden darf – im Außenbereich, damit sich natürlich keine Anwohner belästigt fühlen durch evtl. entstehendes Bellen.

Pferde und Kühe dürfen auf der Weide stehen, sogar eingezäunt, auch Schafe sind kein Problem – zählt alles zur Landwirtschaft und diese ist im Außenbereich erlaubt. Aber was ist mit den Hunden? Haben wir nicht schon genug Probleme mit unerzogenen Hunden, herumliegendem Kot und ignoranten Haltern? Wäre es nicht sinnvoll, gerade in diesem Problembereich zu unterstützen?

Wer sonst außer einer Hundeschule soll den Haltern zeigen und erklären, wie man dem Hund beibringt, das ausgesprochene Signal auch auszuführen?

Wer sonst kann den Halter darin schulen, welche Bedürfnisse der jeweilige Hund hat und mit welchen alternativen Verhaltensweisen diese zu befriedigen sind, wenn Hundeschulen nicht erwünscht sind?

Wer wird zukünftig den verunsicherten Hundebesitzern mit problematischen Hunden noch helfen können, wenn kein Grundstück im Außenbereich für solche Vorhaben genehmigt wird?

Selbst wenn mir ein lieber Bauer oder Winzer ein Areal zur Verfügung stellen würde, darf ich dort keinen Zaun „erbauen“ und kann somit die Tätigkeiten einer Hundeschule nicht vernünftig ausführen.

Ich finde es gut und wichtig, dass auf die Natur Rücksicht genommen wird, ich bin selbst ein großer Naturliebhaber und achte/schütze diese wo immer ich kann. Meine Tierliebe beschränkt sich nicht nur auf Hunde, ich mag alle Tiere. So hatten bei uns auf dem Hundeplatz ja auch regelmäßig Vögel und Insekten (sogar Hornissen) ihre Nester sogar an bzw. in den Häuschen. Wir haben uns immer mit allem arrangiert und Rücksicht genommen, weil wir mit und in der Natur leben.

Auf alles und jeden wird Rücksicht genommen, nur die Hunde werden immer mehr eingeengt und begrenzt – in jedem Bereich.

Einerseits darf ein Hund niemanden anspringen, er darf nicht bedrohen, er darf keinen belästigen, er darf nicht bellen und schon gar nicht jagen. Das sind gesetzliche Vorgaben. Jede Stadt/Kreis hat dann noch so seine eigenen Verordnungen und Richtlinien. Manche Hunde müssen einen Maulkorb tragen oder zum Wesenstest bzw. der Mensch einen Sachkundenachweis erbringen, nur weil sie einer bestimmten Rasse angehören oder ein Mischling daraus sind.

Aber welche Möglichkeiten gibt die Stadt Neustadt denn den Hundehaltern, ihren Hund so zu erziehen, dass unerwünschtes, belästigendes Verhalten ausbleibt? Im Feld und Wald bekommt man Ärger mit den Jägern, im bewohnten Gebiet ist Hundetraining nicht erlaubt und im Außenbereich dürfen keine Grundstücke dafür hergerichtet werden. Ist das gerecht, fair oder gar vernünftig?

Ich betone, es geht nicht darum, Hunde in irgendeiner Art und Weise „scharf“ zu machen oder sie zum Beißen zu bewegen. Ich spreche genau vom Gegenteil, nämlich davon, dass Hundeschulen den Besitzern beibringen, wie sie ihren Hund angepasst und verantwortungsvoll erziehen und begleiten und ihm eine entsprechend vernünftige sowie bedürfnisbefriedigende Auslastung/Beschäftigung ermöglichen, damit die Hunde nicht aus Langeweile oder Frustration überhaupt erst ein Fehlverhalten zeigen (müssen).

Weshalb wird es den paar wenigen Hundeschulen im Bereich Neustadt seitens der Stadtverwaltung so unnötig schwer gemacht? Aus welchem Grund kann die Stadt nicht eingestehen, dass sie vor vielen Jahren und das auch noch über all die Jahre hinweg „geschlampert“ hat, mündliche Genehmigungen erteilte um die Leute jetzt mehr oder weniger zu enteignen? Ein fairer Weg wäre, akzeptable Ersatzgrundstücke zur Verfügung zu stellen oder eine entsprechende Entschädigung zu bezahlen, die mindestens den ehemaligen Kaufpreis des jeweiligen Areals betragen sollte (nicht nur für die Hundeschulen, sondern für alle Grundstücke, die bereits weg mussten und noch weg müssen im Laufe der nächsten Zeit).

Entpuppt sich die Stadt Neustadt als „Hundehasserstadt“? Es gibt keine offizielle „Hundewiese“ oder Freilauffläche in Neustadt, die wenigsten Gemeinden stellen Abfalleimer für Kotbeutel oder gar Kotspender zur Verfügung, Hundeschulen sind im Außenbereich nicht erwünscht, sonst aber auch nirgends, wo es real für eine Hundeschule auch bezahlbar ist (wir sind keine Großverdiener, das sollte die Stadt aber wissen).

Ich wünsche mir sehr, dass sich die entsprechend zuständigen Menschen darüber mal ein paar Gedanken machen! Irgendwann hat man mir mal erklärt: alle Menschen sind gleich. Mit der derzeitigen „Politik“ macht sich die Stadt Neustadt keine Freunde, ganz sicher nicht – immerhin gibt es über 2.500 angemeldete Hunde, sprich auch entsprechend viele Besitzer dazu, die so ganz nebenbei potentielle Wähler sind, Bürger dieser Stadt. Und die Zahl der Hunde wird weiterhin steigen, dessen bin ich mir ziemlich sicher!

Lieben Dank fürs Lesen.

 

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