Gastbeitrag von Wilma Ro.

Wir haben uns dazu entschieden, zu unserem älteren Retriever Hund noch eine quirlige kleine Terrierhündin zu holen. Wochenlang habe ich im Internet recherchiert und Anzeigen gelesen. Schließlich sollte die Hündin von einem seriösen Züchter kommen und reinrassig sein mit Stammbaum. Fündig wurde ich Anfang August 2013 im Haustieranzeiger. Eine Elisabeth.H. hat mit einer liebevollen Internetanzeige Westhighland Terrier in Frankfurt angeboten. Tierärztlich untersucht, gechipt, entwurmt, geimpft, mit EU-Pass und Stammbaum für 1.000 Euro. Familienaufzucht und beide Eltern vor Ort. Zudem gab es eine Homepageseite des Zuchtbetriebes.

Wir haben Mitte August angerufen und erfahren, dass sich die Welpen in Bayern befinden, da die Tochter in Frankfurt lebt und die Mutter sich mehr Zeit für die Welpen nehmen kann. Zufällig wäre eine Hundedame dabei, eigentlich wollte Frau Elisabeth H. diese Hündin selber behalten, hat aber durch einen Pflegefall in der Familie doch nicht so viel Zeit und gibt sie uns gerne ab. Wurftag 30.06.2013, also genau 8 Wochen alt und perfekt zur Abgabe. Ausführlich wollte Frau H. wissen, wo und wie wir leben, damit es die Hündin auch wirklich gut hat.

Am Montag dem 26.08.2013 haben wir mit unseren Kinder die 4-stündige Autofahrt nach Osterhofen in Bayern aufgenommen, um pünktlich zum vereinbarten Termin um 14 Uhr bei Fam. H. zu sein. Wir wurden in der Küche empfangen. Hund, Papiere und Verkaufsvertrag lagen schon bereit. Frau H. begrüßt uns und sagt, dass sie nicht viel Zeit habe, da sie schnell ihrer Mutter Insulin spritzen muss. Auf Nachfrage nach den Wurfgeschwistern und Elterntieren, meinte Frau H., dass die Eltern gerade mit ihrem Mann zu einem Ausflug ins Zillertal unterwegs wären und die Geschwister schon alle tags zuvor verkauft wurden. Wir wurden über die Fütterung und Pflege des Welpen aufgeklärt. Zuchttauglichkeit wurde uns zugesichert, das mit einem Hundestammbuch belegt ist und uns in 2 Wochen zugschickt würde. Mein Mann unterschrieb den mit Hand geschriebenen Kaufvertrag mit der vereinbarten Summe von 1.000 Euro und ausgeschlossener Gewährleistung. Beim Abschied weinte Frau H. und ließ sich nochmals von uns versprechen, dass es „Bella“ wirklich gut bei uns hat.

Im Auto noch vor der Rückfahrt fiel mir im Impfpass auf, dass Bella am gleichen Tag geimpft wurde. Mißtrauisch rief ich den eingetragenen Tierarzt aus dem gleichen Ort an. Dieser sagte mir, dass er Frau H. nur von diesem Tag kenne und nie vorher gesehen hätte. Versicherte aber, dass er nur gesunde Tiere impft und es nicht ungewöhnlich sei, wenn nur ein einzelnes Tier von einem Wurf beim ihm vorstellig wird. Zuhause angekommen, wirkte Bella´s Bauch aufgequollen, woraufhin ich die Züchterin anrief und mich nach der Wurmkur erkundigte. Ihre Hunde sind beim Verkauf immer 4 x mit Droncit plus entwurmt, sagte sie mir am Telefon.

Am nächsten Tag bekam Bella morgens nach Plan ihr Futter. Sie wirkte fit und gesund. Doch am Nachmittag fing sie an mit Fieber, Durchfall, teilweise mit Blutbeimengung und Futterverweigerung. Auch die Nacht über hielt das an, so dass ich am Folgetag 28.08.2013 unseren Tierarzt aufsuchte. Hier fiel erstmals die Verdachtsdiagnose auf Parvovirose, eine hochansteckende und schwerverlaufende Krankheit. Hauptsächlich sind ungeimpfte Welpen von Ostländern davon betroffen. Außerdem wirke Bella jünger, als ihre angegebenen 8 Wochen. Mir wurde von der Tierärztin gesagt, dass eine gute Züchterin nicht Halterwechsel und Impfung an einem Tag machen dürfe, weil das Stress für das Tier bedeutet. Das machte mich stutzig.

Am gleichen Tag habe ich die Züchterin angerufen und ihr gesagt, dass sie mir Bella krank verkauft hat und ich eine Kaufvertragsrückabwicklung verlange. Ich ging inzwischen durch den gesamten Ablauf davon aus, dass sie niemals einen Welpenwurf hatte und die Welpen nach Bedarf vom Ausland importiere. Über Google Suchfunktion fand ich viele verschiedene Welpenangebote mit unterschiedlichen Telefonnummern von Frau H. Sie verweigerte die Rücknahme mit der Begründung des Gewährleistungsauschlusses. Die Krankheit des Tieres sei nicht ihr Problem und sie beruft sich auf den Vertrag.

Zuhause wurde aus dem Durchfall immer flüssigerer Stuhlgang mit Schleimabgang. Auch wurde Bella immer schlapper und schlief viel. Hinzu kam dann mehrfaches und schwallartiges Erbrechen, so dass ich Bella nachts in die Tierklinik brachte. Dort wurde sie in Quarantäne mit Intensivtherapie untergebracht und kämpfte tagelang qualvoll um ihr Leben.

Am 31.08.2013 sehe ich erneut die gleiche Anzeige, woraufhin meine Schwester die gleiche angegebene Telefonnummer anruft und nach einem Welpen fragt. Frau H. ist am Telefon und zufällig hat sie ein Westimädchen noch übrig. Wurftag am 30.06.2013 und kerngesund…

8 Uhr morgens am Sonntag 01.09.2013 kam der Anruf von der Tierklinik. Sie konnten Bella nicht mehr helfen. Alles Nötige und Mögliche wurde getan, aber Bella hat es nicht geschafft und wurde eingeschläfert.

Noch am gleichen Tag habe ich den Tierkörper in die Veterinärpathologie gebracht, um eine Todesursache feststellen zu lassen. Die Krankheit Parvovirose hat sich dort bestätigt. Dieser Virusinfekt befällt ungeimpfte Welpen und benötigt 4-10 Tage zum Ausbruch. War beim Kauf also schon vorhanden. Außerdem ist lt. Zahnstatus das Tier erst 6 Wochen alt.

Nach Eingeben der Telefonnummer (0160-929 129 ..) dieser Verkäuferin in Google, öffnen sich hunderte von gleichen Inseraten in ganz Deutschland. Der Verdacht des illegalen Welpenhandels erhärtet sich immer mehr. In verschiedenen Foren finden sich noch mehr geschädigte Hundekäufer der Familie H. Von einem Zuchtverband wurde Herr H. ausgeschlossen.

Drei Wochen nach dem Hundekauf wurde uns die DHS-Stammurkunde von der Züchterin zugesandt. Diese Urkunden werden von DHS ausgestellt, wenn ein Tierarzt eine Wurfabnahme bestätigt. So habe ich besagten Tierarzt (gleicher wie im Impfpass) angerufen und dieser bestätigte, dass er Frau H. kenne (auf einmal?), da sie vom gleichen Ort stammen und er immer Wurfabnahmen unterschreibe, ohne je ein Muttertier gesehen zu haben (obwohl das zur Wurfabnahme zwingend dazugehört). Ihm wäre nicht aufgefallen, dass Bella geschwollene Lymphknoten und noch keine Backenzähne hatte. Über die im Stammbaum aufgeführten Hunde konnte ich nichts erfahren, vermutlich sind die Namen alle erfunden.

Inzwischen haben wir einen Rechtsanwalt beauftragt, damit uns Frau H. die Kosten von Kauf, Tierklinik und Pathologie erstattet. Vermutlich wird die ganze Sache vor Gericht gehen. Außerdem läuft bei der Staatsanwaltschaft eine Strafanzeige unter dem Aktenzeichen 9 Js 57… wegen Betrug usw. Das Veterinäramt ermittelt wegen der Tierseuche über die Gewebsproben (waren bei Pathologie eingefroren) und dem Stammbaum nach der tatsächlichen Abstammung von Bella.

Anfang Oktober wurde ich zur Zeugenaussage zu unserem Polizeirevier geladen, dabei habe ich erfahren, dass auch gegen den Tierarzt Ermittlungen laufen. Die Zahlungsfrist Ende September und eine zweite Ende Oktober hat Frau H. vertreichen lassen und statt dessen einen eigenen Rechtsanwalt beauftragt, der bisher nur nachgefragt hat, ob der Hund verstorben sei.

Im Haustieranzeiger im Internet stellt Frau H. momentan wieder neue Inserate mit Westhighland Terrier Welpen Freitags rein und löscht sie am Sonntagabend wieder. Von der Staatsanwaltschaft haben wir bisher nur mitgeteilt bekommen, dass Ermittlungen noch laufen. Bis heute, also grob Mitte Dezember 2013, haben wir keine Reaktion von der Verkäuferin bekommen, so dass es jetzt zum Gerichtsverfahren kommt.

So sehen die Inserate in der Regel aus, die Telefon-Nr. und Anzeige-Nr. wurden in den letzten Ziffern unkenntlich gemacht Typisches Inserat

 

 

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