Gastbeitrag von Elke Kauth

Viele Hundehalter suchen einen Hundetrainer oder Hundeverein auf, weil sie entweder kommenden Problemen vorbeugen möchten und den Hund frühzeitig erziehen wollen, oder aber weil der Hund bereits Verhaltensweisen zeigt, die dem Besitzer nicht gefallen oder ihn gar überfordern. Dieser Mensch begibt sich also in die Hände eines Profis, eines Fachmannes, der ihm und seinem Hund helfen soll. Das Team möchte lernen, wie angepasstes Hundeverhalten auszusehen hat.

Die Ansprüche meiner Kunden sind unterschiedlich, die Charaktere und Eigenschaften der Hunde ebenso. Als Trainerin sehe ich mich dazu verpflichtet, auf die Wünsche meiner Kunden einzugehen, ohne dabei den Hund zu „vergewaltigen“ und genau das würde ich mir von meinen KollegInnen ebenso wünschen.

Leider gibt es noch viele Hundetrainer oder auch sog. Hundeexperten (die männliche Form schließt weibliche Trainer/Experten mit ein!), die da ganz anders mit umgehen. Erst vor wenigen Tagen gab es den Bericht eines Hundetrainers, der nach dem Training mit einem Malteserwelpen als „Schocktherapie“ seine 4 irischen Wölfe hinzu holte. Der kleine Welpe hat diesen Schock leider nicht überlebt und das ganz ohne dass er gebissen oder verletzt worden wäre – körperlich zumindest nicht. Seine Angst vor diesen 4 Riesen hingegen dürfte sein noch junges Herz zum Stillstand gebracht haben – Schock! Was will ein Trainer mit solchen Methoden eigentlich beweisen?

Ebenso werden auf ettlichen Hundeplätzen, als auch im Rahmen der privaten Hundeausbildung, nach wie vor Reizstromgeräte verwendet, die in Deutschland per Gesetz verboten sind. Kauf und Besitz sind erlaubt, die Anwendung hingegen ist verboten. Auch dazu gab es erst vor wenigen Tagen wieder einen Bericht (Österreich), der für ettliche Diskussionen sorgte. Dabei wird nicht nur im sogenannten „Schutzdienst“ auf solche Foltergeräte zurückgegriffen, sondern auch im normalen Gehorsamstraining (Unterordnung), ja sogar im Bereich Agility. Kein Hund dieser Welt benötigt derart grausame Erziehungshilfsmittel, die Nebenwirkungen können fatal bis tödlich sein.

Ein Junghund aus dem Ausland, ängstlich in ganz vielen Situationen und nahezu panisch im Umgang mit Männern. Die Halterin ist überfordert und sucht Hilfe beim Fachmann, beim Profi, beim Hundetrainer. Und wie meistert der Profi die Situation? Na ganz einfach: der Hund wurde in eine bestehende Hundegruppe „geworfen“. Da der Hund mit dieser Situation überfordert war, bellte er recht anhaltend, konnte auf die Beruhigungsversuche seiner Halterin nicht mehr reagieren. Diese durfte mit ihrem unsicheren Hund auch nicht auf größere Distanz gehen, denn der Hund „muss da jetzt durch“! Im nächsten Schritt wird der Junghund vom Trainer, vom Profi und Fachmann, auf den Rücken geworfen (Alphawurf) und so lange unterdrückt, bis er aus Todesangst urinierte!

Das hat mit Training nichts mehr zu tun, sondern mit Tierquälerei! Was bitte soll der Junghund denn durch solche Aktionen gelernt haben? Dass Männer noch blöder sind, als er sie eh schon kennenlernen musste bisher? Dass er sich auf seine Halterin nicht verlassen kann, da diese das alles zuließ – zwar aus Unwissenheit, evtl. Eingeschüchtertheit, aber sie ließ es zu. Mit Sicherheit wird durch solche Maßnahmen das Vertrauen gegenüber Menschen keinesfalls verbessert, eher noch mehr zerstört.

Durch solche Situationen muss ein Hund nicht durch! Das ist ausgemachter Quatsch und hat deutlich mehr negative Nebenwirkungen als man zunächst so glauben möchte. Wird die Angst übergroß, sind Säugetiere, zu denen Hunde als auch Menschen zählen, nicht mehr fähig zu lernen! Wozu setzt ein Trainer dann also solche Methoden ein? Hat er keine Ahnung? Verspürt er Genugtuung bei seinem Handeln? Will er jemandem imponieren? Ich weiß es nicht.

Da werden Hunde auf den Rücken geworfen, weil sie noch nicht richtig bei Fuß laufen können, sie werden mit Wasserspritzpistolen maltretiert, weil sie die Katze verjagen oder den Briefträger verbellen, die Hunde erfahren Leinenrucks z.T. mit angeschärftem Stachelhalsband, weil sie einen Artgenossen verbellen, sie werden mit Reizstrom gefoltert, weil sie ihrer natürlichen Jagdmotivation folgen. Die Liste der Strafen ist bei vielen Hundetrainern ellenlang, es wird viel häufiger über Korrektur und Strafe gesprochen oder geschrieben, als über tolles und erwünschtes Verhalten oder Belohnung und Verstärkung.

Ich habe ganz viele Kunden, die schon in anderen Hundeschulen, Vereinen und bei anderen Trainern waren, die z.T. unmöglich grob (wie oben beschrieben) mit Hunden umgehen. Auf meine Frage, wieso sie das zugelassen haben, erhielt ich immer eine ähnlich einzustufende Antwort: „Ich habe mich nicht getraut, der Trainer ist der Experte, ich der Laie, ich weiß es doch nicht besser als der Profi, sonst bräuchte ich ja keinen…“

Das ist für mich zunächst absolut nachvollziehbar und verständlich. Aber selbst wenn man kein Profi ist, kein Fachwissen besitzt – man hat ein Herz und ein Bauchgefühl und die allermeisten Menschen besitzen auch einen gut funktionierenden Verstand, den man „einfach“ mal einschalten könnte. Und ja, wenn euer Bauch grummelt, wenn euer Herz weint – verdammt nochmal (tschuldigung), aber dann wendet euch von solchen Erziehungsmethoden  und Hundetrainern ab. Es ist euer Hund dem Unrecht, Angst und Schmerz zugefügt wird, der leidet! Ihr habt die Verantwortung und ihr bestimmt, wie mit dem Hund umgegangen werden darf, nicht euer Trainer!

Schaut euch an, wie euer Verein oder Hundetrainer wirklich arbeitet, welches Wissen er besitzt. Euer Hund ist nicht dominant, weil er an der Leine manchmal zum Rambo wird oder lieber auf der Couch als auf dem Boden liegt. Ihr habt auch keine mangelnde Bindung, weil euer Hund jagen geht und ihr müsst kein Rudelführer sein, weil ihr mit eurem Hund kein Rudel bildet! All das sind Theorien von anno dazumal, lange überholt, lange wissenschaftlich widerlegt und eigentlich sollte jeder verantwortungsvolle Hundetrainer doch wenigstens so grob auf dem neuesten Stand sein (und nicht 30 Jahre hinterher hinken).

Das Problem ist aber, dass viele Hundehalter, hauptsächlich Ersthundebesitzer, gar nicht wissen worauf es wirklich ankommt bei der Suche nach einem geeigneten Hundetrainer, Hundeschule oder einem Hundeverein. Von daher möchte ich hier ein paar wenige Ratschläge geben, worauf zu achten wäre.

  • Schaut euch eure zukünftige Hundeschule/Trainer/Verein zunächst ohne eigenen Hund an. Nehmt an einem Gruppentraining als Gast teil und beobachtet intensiv.
  • Wie groß ist die Gruppe bei wie vielen Trainern? Wie ist die allgemeine Stimmung unter den Hunden, zwischen Hund und Trainer aber auch unter den Menschen? Achtet gut auf die Körpersprache der Menschen (die ist euch häufig vertrauter als die der Hunde) und schaut, ob diese sich wohl fühlen. Werden die Hunde am Halsband, Würger oder einem Brustgeschirr geführt? Ist dies für den Trainer wichtig oder eher dem Halter überlassen?
  • Wie werden die Hunde korrigiert bei einem Fehlverhalten? Wie geht der Trainer mit der Situation, aber auch mit dem Hund und seinem Halter um? Wird der Mensch „vorgeführt“,  zeigt der Trainer wie toll ER das kann? Oder erklärt er die Übung für diesen Hundehalter so, dass sie beim nächsten Mal dann auch besser klappt?
  • Erklärt der Trainer die Übungen verständlich und nachvollziehbar? Spricht er von Rudel, Dominanz und Rangreduktion? Oder von Lernverhalten und positiver Verstärkung? Nimmt sich der Trainer Zeit für Fragen, hat er Geduld oder wimmelt er Fragen und Einwände ab?
  • Versucht in einem Gespräch eure Gefühle sprechen zu lassen, aber schaltet euren Verstand dabei nicht ab. Eine ganz wichtige Frage, die ihr immer stellen könnt: „Was lernt der Hund jetzt gerade?“ oder „Was hat der Hund soeben gelernt?“ Hat er also lernen dürfen, welches Verhalten wir als angemessen erachten und wurde er dafür belohnt? Oder durfte er nur lernen, was wir nicht wünschen und wurde dafür auch noch bestraft?

Es gibt sehr viele gute HundetrainerInnen, die sehr viel Zeit und auch Geld in ihre Ausbildung sowie in ihre Weiter- und Fortbildung investieren, die bemüht sind, auf neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen zu arbeiten und auf Gewalt im Training verzichten. Diese Trainer können auf Gewalt verzichten, weil sie wissen, wie man gewaltfrei erwünschtes Verhalten trainiert. Diese Trainer verzichten auf Korrekturtrainings, weil sie den Hund nicht erst bewusst einen Fehler machen lassen, um ihm dann zu zeigen, dass das falsch war. Gute Trainer haben gelernt, dass es viel sinnvoller, besser und nachhaltiger ist, dem Hund zu zeigen, was wir wünschen – und das passiert vor dem vermeintlichen Fehler oder Fehlverhalten! Je mehr ein Trainer korrigieren und strafen muss, desto weniger Ahnung hat er von positivem Hundetraining!

Es gibt keinen Grund der Welt, einen Hund am Halsband (oder gar Ketten-/Stachelwürger) zu rucken. Vernünftige Trainer, denen die Gesundheit ihrer zu betreuenden Hunde wichtig ist, arbeiten mit einem Brustgeschirr. Ebenso gibt es keinen Grund, einen Hund auf den Boden zu drücken und somit zu unterwerfen. Gewaltfrei arbeitende Trainer können auf derartige  Gewaltausbrüche (in den Augen der Hunde ist es nichts anderes als ein Gewaltausbruch) verzichten, sie brauchen solche Strafen nicht.

Fortschrittliche Hundetrainer benötigen auch keine Schreckreize wie Wasserspritzpistolen, Disc-Scheiben oder ähnlich erschreckenden Quatsch – es ist nichts anderes als Quatsch, denn was soll ein Hund lernen, wenn er einen Fehler macht und man erschreckt ihn oder bespritzt ihn mit einem Wasserstrahl? Im schlimmsten Falle, dass er auch seinem eigenen Menschen wohl überhaupt gar nicht vertrauen kann, wenn dieser ihn derart erschreckt. Oder fühlt ihr euch sicher im Umfeld eines Menschen, der es liebt euch fast zu Tode zu erschrecken? Nicht? Aber euer Hund soll es dann?

Sichere Hundetrainer mit fundiertem Wissen müssen nicht drohen, erschrecken oder unterwerfen, nicht rucken und schreien, ihnen liegt es fern, euren vierbeinigen Schatz zu überfordern, sei es mit Übungen oder auch mit Artgenossenkontakten.

Ein guter Hundetrainer nimmt sich Zeit, hat Geduld, passt sich dem Hund und seinem Menschen an, arbeitet mit angepassten Verstärkern und verzichtet auf den Einsatz von jeglichen (Hilfs-)Mitteln, die einen Hund schmerzen,  erschrecken oder sonstwie zu Meideverhalten veranlassen. Ein guter Hundetrainer erzählt nichts über die dominante Position, die ein Mensch im Mensch-Hund-Rudel inne haben muss und verzichtet auf jegliche Rangreduktionsprogramme, denn er weiß, dass unsere Hunde sowas nicht brauchen, egal mit welchem (Fehl-)Verhalten er konfrontiert wird.

Ein moderner Hundetrainer zeigt euch die vielen, tollen Seiten eures Hundes, er lehrt euch, wie ihr gutes und erwünschtes Verhalten „einfangen“ und richtig verstärken könnt. Er arbeitet fehlervermeidend und beachtet die individuellen Bedürfnisse des einzelnen Hundes (und seines Menschen).

Liebe trainersuchenden Hundehalter, bitte schaut euch euren Verein oder privaten Trainer, eure Hundeschule einmal unter diesen Aspekten an bzw. sucht sie euch nach diesen Aspekten aus – euer Hund wird es euch danken!

(Anmerkung: auch wenn ich hier hauptsächlich in der männlichen Version geschrieben habe, so meine ich mit „der Hundetrainer“ immer auch die weibliche Form!)

 

 

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