Nachdem meine Biggi endlich die richtige Hundeschule für uns gefunden hat, ging’s auch schon los. Bereits als Welpe lernte ich ganz viele wichtige Dinge. Das meiste bereitete mir tierischen Spaß; weniger toll war, dass ich nicht immer nur das machen konnte, was eben tierischen Spaß machte. Manchmal musste ich auch ein wenig warten bis wir an der Reihe waren oder ich konnte nicht überall hinlaufen wo ich wollte… – aber ich glaub das war letztendlich schon ganz richtig so.

Ich lernte sehr früh, ordentlich an der Leine zu laufen, so dass ich bereits bei leichter Leinenspannung mein Tempo verlangsamte. Meist reichte das schon aus und wir konnten gemütlich weiter laufen. Ebenso hab ich ganz schnell begriffen, dass wenn Biggi mich anspricht, sich das irgendwie immer lohnt. Entweder hat sie ein tolles Leckerchen für mich parat oder wir machen ein Spiel zusammen oder sie zeigt mir sonstwas spannendes.

Die Alltagssignale wie mich hinzusetzen oder zu legen wenn man mir das sagt, habe ich ebenfalls zügig erlernt. Wir machten das immer so nebenbei und ich lernte die einzelnen Worte häufig genau dann kennen, wenn ich das Verhalten von mir aus zeigte. Dann kam ein Click und eine tolle Belohnung – so macht Lernen Spaß.

Damit ich auch mal ein wenig länger auf meinem allerwertesten Popo sitzen bleiben kann oder auch mal ein paar Schrittchen direkt neben Biggi herlaufen kann – im sog. Fußsignal – hat mir das intermediäre Brückensignal (i.B.) prima geholfen. Da konnte ich mich schön auf meinen Menschen und das was ich gerade ausführte, konzentrieren.

In der Hundeschule hatte ich natürlich Kontakt mit anderen Hunden, trotz dass wir nicht in der Welpenspielstunde waren. Aber da waren ganz tolle Hunde, die auch nicht gleich ausflippten, wenn ich mal bissel rumkasperte oder sie mit meinen spitzen Zähnchen zwickte. In diesem Umgang konnte ich lernen, dass manche erwachsene Hunde nicht immer alles so toll fanden wie ich, aber ich musste niemals Angst haben, dass einer der anderen Hunde zu grob werden würde – da hat auch die Trainerin ganz feste drauf geachtet. So lernte ich große und kleine Hundekumpels kennen, manche die gerne spielten, andere wiederum die lieber etwas mehr Distanz hätten, langhaarige, Hunde mit wenig Fell, junge, alte – einfach alles kunterbunt gemischt.

Och, ich lernte so vieles…, da war auch das Entspannungssignal, welches mich beruhigte, wenn ich mich doch mal arg aufregen musste oder erschrocken bin. Das passierte schon mal am Anfang. Stelle man sich mal vor, ich schnupperte mal grad ganz intensiv an so einem spannenden Geruch, als es plötzlich unmittelbar hinter mir knallte. Da ist so ein Schuss in den Weinbergen losgegangen. Was bin ich erschrocken und gleich mal zu meiner Biggi gesaust – die macht das laute Ding schon weg!

Biggi hat mich ganz dolle gestreichelt und ruhig mit mir gesprochen, aber so ganz geheuer war mir das doch nicht, ich hab ordentlich gezittert. Dann sagte sie das Wort, welches sie meistens nannte, kurz bevor ich am Einschlafen war. Als sie es dann nochmal sagte, bekam ich ein ganz anderes Gefühl irgendwie. Ist schwer zu beschreiben, aber mein Herz musste nicht mehr so rasen, ich konnte alles wieder besser wahrnehmen und beobachten und als mir Biggi einen Moment später dann auch noch ne handvoll Leckerchen kullerte, konnte ich denen schon wieder hinterherjagen und sie auch fressen. Das Entspannungssignal findet auch heute immer mal noch Anwendung, denn aufregen muss ich mich auch im gesetzteren Alter manchmal noch.

Ich fand diese lauten Knaller ab diesem Zeitpunkt erstmal wirklich erschreckend. Aber auch das konnte ich schon bald ablegen und mittlerweile sind mir laute Knallgeräusche oder Schüsse piepegal – tun ja nichts, sind nur laut. Aber das muss man ja erstmal verstehen lernen als junger Hund.

Biggi brachte mir auch sehr viele Kunststückchen bei, schon gleich von Anfang an, so dass ich in einem noch sehr jungem Alter doch schon ganz viel „konnte“. So drehte ich mich um meine eigene Achse, konnte auf Signal mit 2 Pfoten einen Gegenstand berühren, eine „Acht“ durch die Beine laufen und so weiter.

Das Trainingssystem „Zeigen und Benennen“ hat mir sehr gut geholfen, denn dadurch wurde ein Reiz, über den ich mich sonst aufregen musste und auch mal bellte, Auslöser dafür, ein alternatives Verhalten zu zeigen. Beispiel: anstatt bellend in die Leine zu hüpfen, habe ich Biggi’s Hand angestupst. Das ging so weit, dass wenn Biggi mal vergessen hatte mir anzusagen, dass da wieder ein Aufreger kommt, ich dieses Verhalten von mir aus zeigte und somit Biggi darauf aufmerksam machte. Sie freute sich darüber immer ganz dolle – auch heute noch.

Mit so 6-7 Monaten fing ich dann an zu  zeigen, dass mir nicht mehr alle Hundekumpels so angenehm waren, vor allen Dingen mochte ich es nicht, wenn da einer hotzplotz auf mich zugerast kam und mich dabei fast noch über den Haufen rannte. Ebenso gefiel es mir sehr gut, davonrennendes Wild wie Kaninchen, Hasen, Rehe oder auch mal ein Wildschwein oder einen Fuchs zu jagen – sehr zum Leidwesen meiner Biggi. Auch wollte ich nicht mehr jeden einfach so bei uns zu Hause rein lassen, ob meine Menschen das so gut fanden, interessierte mich erstmal nicht – ich war dagegen! Alles in allem, je erwachsener ich wurde, umso mehr „Probleme“ schien ich zu machen.

Aber unsere Hundetrainerin konnte meine Biggi wieder beruhigen und ihr mitteilen, dass es sich dabei um ganz normale Entwicklungsschritte handeln würde, man ja auch sehen muss, welcher Rasse ich entstamme und mit einem vernünftigen Training ist das alles gut in die richtigen Bahnen zu lenken.

So kam ich in den Genuss, in den ersten beiden Jahren ein paar Seminare mit Biggi zu besuchen. Einige Seminare und Workshops hielt unsere Trainerin selbst ab, manchmal hat sie aber auch Referenten eingeladen und ab und zu sind wir auch in die weite Welt hinaus gefahren und haben ein Seminar an ganz fremden Orten mit ganz vielen fremden Menschen besucht. Ui, das war jeweils sehr spannend, weil häufig übernachteten wir dann auch in vollkommen fremder Umgebung, aber alles in allem hab ich das ganz gut gemeistert.

Ich erlernte so auch einen sicheren Rückruf im Rahmen eines 3-Tage-Seminars. Der hält mich zwar nicht vom Jagen ab, doch wenn Biggi dann pfeift, wende ich mich gerne und sofort zu ihr um – das geht schon ganz automatisch. Auf dem Weg zu ihr werde ich ganz dolle von ihr motiviert, was mich nochmals anspornt, ganz schnell zu rennen. Ja und dann gibt es eine ordentliche Party, also eine Belohnung, die mir dann auch wirklich viel Spaß bereitet, nicht nur ein Bröckchen Futter.

Die Themen der anderen Seminare und Workshops waren ebenfalls spannend. Mal ging es um Ressourcenverteidigung oder um die Lerntheorie, die Körpersprache, richtige Beschäftigungen für uns Nasen und noch ganz viele weitere spannende Inhalte.

In den ersten beiden Jahren war also alles auf „Lernen“ programmiert, bei meinen Menschen, aber auch bei mir selbst. Da Biggi und Markus immer gewaltfrei mit mir umgegangen sind, hat mir das Lernen auch richtig viel Spaß gemacht. Besonders toll fand ich es, dass es nach diesen ersten beiden Jahren, immer noch weiter ging mit Lernen, aber nicht mehr in diesem erhöhten Tempo. Wir hatten einen guten Grundstein gelegt und konnten nun Steinchen auf Steinchen darauf aufbauen…

Ich hoffe und wünsche mir, dass ganz viele Hundekumpels das so erfahren, wie ich es erfahren habe….

Mit einem netten „Wuff“, eure Samira

 

 

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