Gastbeitrag von S.B.

Zwischen Weihnachten und Sylvester 2011 erkrankte unser Hund, den ich hier „Bolle“ nennen möchte, an einer bis zum Schluss nicht diagnostizierbaren Erkrankung.

Nach einem (wie wir heute wissen letzten) Besuch der Hundewiese begann Bolle mit der rechten Vorderpfote zu humpeln. Zunächst glaubten wir, er hätte sich vertreten. Da er jedoch zwei Tage später im Ganzen irgendwie „schief“ lief und auch plötzlich nicht mehr fressen wollte, fuhren wir direkt in unsere Tierarztpraxis.

Dort wurde ein Blutbild gemacht, das zu einem Ergebnis führte, welches sich keiner der dort behandelnden Tierärzte erklären konnte. Unser Hund wurde daraufhin mit Kortison behandelt. Einen Zusammenhang zwischen Blutbild und Lahmen konnte man zunächst nicht ziehen, weil man zu diesem Zeitpunkt noch von zwei unterschiedlichen Erkrankungen ausging. Auf Grund der extrem schlechten und äußerst verschobenen Blutwerte wurde kurzfristig ein Termin zur Knochenmarkpunktion angeordnet, dessen Ergebnis jedoch ebenfalls keine Diagnose zuließe.

Da sich Bolles Gangbild innerhalb kürzester Zeit dramatisch verschlechterte und er kaum noch in der Lage war zu laufen wurde dann die rechte Vorderpfote geröntgt. Ich werde wohl nie den Gesichtsausdruck des Tierarztes (der lange Zeit in der Tierklinik Duisburg tätig war und aufgrund seiner dortigen Tätigkeit über ein großes Maß an Erfahrung verfügt) beim Anblick des Röntgenbildes vergessen. Er sagte: „So was habe ich noch nie gesehen, der ganze Knochen sieht aus wie von Motten zerfressen“. (Dr. Rösch aus der TA Praxis Möhrke und Rösch, aus Dortmund, Röntgenbilder liegen vor).

Eine Behandlung der Pfote war aufgrund des ungewöhnlichen Gesamtkrankheitsbildes nicht angezeigt, und so blieb uns nur, gegen die massiven Schmerzen „anzugehen“ bzw. diese wenigstens zum Teil zu lindern.

Genau zu dieser Zeit erkrankte mein Lebensgefährte an zwei akuten Bandscheibenvorfällen, die es ihm unmöglich machten, unseren ca. 32 KG schweren Hund die Treppen herunter zu tragen. Zwar war an Spaziergänge zu diesem Zeitpunkt nicht mehr zu denken, aber somit bereitete auch jedes „Geschäft“ unseres Hundes Probleme (und die „Lösung“ Bolle gemeinsam mit unserem Nachbarn in einer Decke nach unten zu tragen war eben keine wirkliche Lösung). Somit blieb uns nur die Möglichkeit, dass mein Lebensgefährte gemeinsam mit Bolle in den Wintergarten „zog“ (den wir hinter unserer Garage haben) und dort über Wochen bei Minustemperaturen auf einer Luftmatratze und nur mit Kamin und eisigem Wasser zu schlafen vielmehr zu leben.

Da Bolles Zustand mittlerweile so besorgniserregend war, richteten wir eine 24 Stunden Rund-um-die-Uhr-Betreuung für ihn ein (die sich mein Lebensgefährte, dessen damals 71 Jähriger Vater, seine 12 Jährige Tochter und ich teilten). Dies bedeutete „Schichtwechsel“ morgens um 6 durch mich, am späten Vormittag durch den Vater.

Es folgten von Anfang des Jahres 2012 bis Mitte Februar 2012 unzählige TA-Besuche (drei Knochenmarkpunktionen, Milzpunktion, Punktion der Lymphe, Entnahme eines Teils des zerstörten Knochen (alles ohne Betäubung), unzählige CT Bilder und Blutentnahmen, ein dreitägiger Aufenthalt in der Tierklinik Hofheim (die mit einem 25 köpfigem Team, Tiere aus ganz Europa behandelt, die jedoch auch vor einem Rätsel bezüglich der Erkrankung von Bolle stand.)

Nach Bolles Rückkehr aus Hofheim war es nötig, einen Dispenser für all die vielzähligen Medikamente zu stellen, die Bolle (in erster Linie gegen die starken Schmerzen) einnehmen musste. Wir ließen auch eine Orthese für den erkrankten Vorderlauf anfertigen, da der Knochen drohte, mit jedem Schritt erneut zu brechen. Diese extremen (aber nötigen) Schmerzmittel führten unter anderem mit dazu, dass Bolle nicht mehr in der Lage war, sich ohne Hilfe „zu lösen“, so dass wir dann Kinderstrumpfhosen kauften, die unter seinem Laib getragen als Stütze dienen sollten (ebenso wie die „Kinderstoppersocken“ an seinen Pfoten ein wegrutschen verhindern sollten).

Bolle war ein unglaublicher Kämpfer und das nach wie vor vorhandene „Feuer“ in seinen Augen lies uns all diese Schritte gehen, da es uns die Hoffnung auf zumindest teilweise Genesung gab. Es ist unfassbar, wie sich in einer solchen Situation die Relationen verschieben – wir hätten damals auch irgendwann mit der Amputation einer Pfote leben können, wenn diese unserem einstigen „Kraftpaket“ eine (lebenswerte) Zukunft beschert hätte!

Wir standen in fast täglichem Kontakt mit der behandelnden Tierärztin, die uns versicherte, auch sie sei noch nicht bereit Bolle aufzugeben. Nach weiteren (begleitenden) Alternativen suchend, stießen wir auf die Horvi-Therapie und in diesem Zusammenhang auch auf eine Tierheilpraktikerin, die diese Therapie durchführt. Also nach Dortmund, Hofheim auch noch auf nach Bonn. Die dann eingeleitete Therapie bestand aus der Gabe mehrerer Spritzen täglich (zu der wir angeleitet wurden).

Bolles Gesundheitszustand schien sich daraufhin zu verbessern. Leider währte dies nicht lange. Am Samstag, den 11.02.2012 ging es Bolle dramatisch schlechter. Er bekam über 40 Grad Fieber, fraß gar nicht mehr und hatte einen Puls von über 150. Eine befreundete Heilpraktikerin (die ihm auch Nadeln gegen die Schmerzen setzte) riet uns ein Huhn 10-12 Stunden auszukochen, damit Bolle wenigstens flüssig Nährstoffe aufnehmen konnte (leider konnte er nach diesen 10 Stunden nicht einmal mehr trinken).

Am Samstagabend (nach „Telefonhotline“ zwischen TA und THP-Praxis und verzweifelten Bemühungen das Fieber zu senken) gingen wir kurzzeitig zum Rauchen (nach 8 Jahren Enthaltsamkeit) in die Küche und entfernten uns damit erstmalig an diesem Tag von unserem Hund. Ich werde niemals vergessen, wie wir dort das weitere Vorgehen besprachen und mein Lebensgefährte erstmalig aussprach, dass er sich das nicht mehr lange mit ansähe – dann wäre es ihm lieber er ginge so………. Als wir kurz darauf zurück zu Bolle kamen lag er tot auf seinem Kissen und blutete aus Mund und Nase. Mein Lebensgefährte (wohl unter Schock) versuchte ihn noch durch beatmen und Herzmassage wiederzubeleben.

Eine wirkliche Diagnose hat es nie gegeben (u.a. Uniklinik Gießen die eine der Probeentnahmen untersucht hatte: „Wir würden uns freuen, wenn sie uns über den weiteren Verlauf dieser sehr interessanten Erkrankung unterrichten würden.“). Sämtliche von uns konsultierten Experten standen vor einem Rätsel, der Verdacht einer genetischen Erkrankung lag nahe und wurde geäußert.

Es klingt heute noch wie Hohn in meinen Ohren, wenn ich daran denke, dass die „Züchterin“, mit den nicht korrekten Papieren unseres Hundes konfrontiert, zu mir sagte: „Wenn sie jetzt einen totkranken Hund hätten würde ich sie noch verstehen.“

Wir haben den Kampf um Bolles Gesundheit und um sein Leben verloren. Aber wir werden nicht müde aufzuklären über den Handel mit Welpen, über Menschen die sich Züchter nennen, aber in Wirklichkeit betrügerische Vermehrer sind.

Nur am Rande sei bemerkt, das zu der psychischen wie physischen Belastung auch eine finanzielle Belastung von ca. 5000 € in 6,5 Wochen entstanden ist, die wir ohne die Hilfe des Vaters meines Lebensgefährten nicht hätten stemmen können. Zusätzlich zu den o.g. Tierarztkosten ist ein nicht geringer Teil an Verdienstausfall bei mir als Selbständige entstanden, da wir sonst die Betreuung für unseren Bolle nicht gewährleisten hätten können.

 

 

 

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