Gastbeitrag von Elke Kauth

 

Ganz viele HundetrainerInnen und -schulen werben mit gewaltfreiem Hundetraining – wieso ist das derzeit so in aller Munde? Und was ist wirklich dran?

 

Die Definition von gewaltfreiem Hundetraining ist gar nicht so einfach, wo fängt Gewalt denn an? Erst wenn der Hund deutlich Unsicherheit oder Angst zeigt nach einer unserer menschlichen Reaktionen? Das wäre viel zu einfach, denn es gibt jede Menge HundetrainerInnen, die gar nicht in der Lage sind, die Körpersprache des Hundes dahingehend richtig zu lesen.

 

Der eine Trainer „kickt“ den Hund, verwendet Stachler oder andere die Kehle zuschnürende Geräte, die dem Hund die Luft zum Atmen rauben – aber auch dieser Trainer arbeitet nach seinen eigenen Vorgaben positiv und gewaltfrei. Andere wiederum bedrohen die Hunde durch ihre eigene Körpersprache so massiv, dass diese sich schon gar nimmer trauen, irgend etwas zu zeigen an Verhalten – auch diese Trainer arbeiten nach ihren eigenen Darstellungen gewaltfrei und positiv. Es gibt mittlerweile sogar „sanfte Alphawürfe“ – da stellen sich mir alle vorhandenen Nackenhaare hoch, da es für den Hund alles andere als „sanft“ ist.

 

Auf Gewalt im Hundetraining zu verzichten, bedeutet auch, dass man sich als Mensch mit dem Lernverhalten auseinander setzt. Es ist wirklich nicht nötig, eine Doktorarbeit über dieses Thema zu schreiben, um auf Gewalt verzichten zu können, aber so ein wenig damit beschäftigen sollte man sich schon. Ist ja auch vollkommen normal. Wer setzt sich denn nicht mit einem neu erworbenen Gegenstand und dessen Funktionen auseinander? Jeder – nur beim Hund muss alles so nebenbei laufen und funktionieren. Aber genau dann funktioniert das Lebewesen Hund nicht, weil es durch unsere häufig nicht gut überlegten Reaktionen falsche Informationen erhält.

 

Was bedeutet gewaltfreies Arbeiten für mich/uns?

 

Wir rucken und zucken nicht an unseren Hunden herum, wir nutzen keine Hilfsmittel, die dem Hund unangenehm sind, ihn erschrecken oder ihm Schmerzen zufügen und natürlich bedrohen wir unsere Hunde auch nicht körperlich. Erkennen wir Unsicherheiten oder gar Ängste, gehen wir sorgsam damit um und helfen dem Hund damit zurecht zu kommen, schützen ihn wenn nötig. Ein frühzeitiges Handeln seitens des Menschen verhindert Fehlverhalten des Hundes, welches dann wiederum korrigiert werden müsste.

 

Das heißt im Prinzip nichts anderes, als erwünschte Verhaltensweisen des Hundes frühzeitig zu erkennen, sie wirklich wahr zu nehmen und entsprechend zu honorieren, dem Hund also eine positive Rückmeldung zu geben. Natürlich kann dies in Form eines Leckerchens oder Futterbröckchens passieren, aber oft genug liegt das aktuelle Bedürfnis des Hundes nicht beim Fressen, sondern ganz woanders. Der Mensch der positiv und gewaltfrei arbeiten möchte, sollte Hinschauen können und erkennen lernen, was seinem Hund wichtig ist.

 

Gewaltfrei arbeitende HundetrainerInnen werden von andersarbeitenden immer wieder heftigst durch den Dreck gezogen, beschimpft und ausgelacht. Das ist nicht schön, manchmal tut es auch richtiggehend weh. Bleibt man mal am Ball und verfolgt die Schreiberei dieser „Gegner“, wird ganz schnell klar, dass ihre Argumente nichts mit Wissen zu tun haben und weit entfernt sind von neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen. Dafür sind diese Kommentare gefüllt mit verletzenden und deutlich unter die Gürtellinie gehenden Aussagen, für die es auch schon Anzeigen gab.

 

Schaut man noch ein bisschen genauer hin, so erkennt man weiterhin, dass die Gegner des gewaltfreien Hundetrainings eigentlich gar keine eigenen Themen haben, über die sie diskutieren. Woran liegt das wohl? Vermutlich haben sie dafür keine Zeit, weil sie sich so sehr damit beschäftigen müssen, den gewaltfrei arbeitenden Trainern mitzuteilen, wie doof diese sind und wie wenig Ahnung sie haben. Nun denn, wenn sie meinen….

 

Ich kann alle Hundehalter nur ermutigen, sich den TrainerIn genau anzuschauen, ob dieser wirklich so positiv arbeitet, oder ob da nicht doch immer wieder – manchmal auch versteckt – gestraft wird. Die richtige und ehrliche, gewaltfreie Arbeit macht richtig viel Spaß und…., es verändert einem auch persönlich und zwar ebenfalls in eine positive Richtung. Das geht nicht nur den Trainern so, sondern letztendlich auch unseren Kunden, so sie sich auf diese Art des Trainings einlassen.

 

Abschließend möchte ich noch sagen, dass es schlichtweg eine Falschaussage ist, dass man mit bestimmten Hunden oder gewissen (aggressiven) Verhaltensweisen nicht gewaltfrei arbeiten kann. Das ist Quatsch liebe Leute, lasst euch so etwas nicht erzählen, diese Aussage entspricht nicht der Wahrheit. Viele Hundetrainer und auch Halter können den Gegenbeweis antreten. Gerade Angst oder Aggressionsprobleme lassen sich über den positiven, gewaltfreien und vertrauensaufbauenden Weg besser bewältigen als über jeden anderen.

 

Uns geht es nicht um den schnellen Erfolg, sondern um den Nachhaltigen. Wir möchten nicht, dass der Hund hier ein Fehlverhalten unterlässt aus Angst vor Strafe, dafür aber der entstandene Frust eine neue „Baustelle“ eröffnet. Wir möchten die Emotion (Angst oder Aggression) des Hundes dahingehend verändern, dass er lernen kann, diesen Reiz nicht mehr als angst- oder aggressionsauslösend wahrzunehmen. Somit hat der Hund auch keinen Frust, er wird keine neue Baustelle für uns eröffnen – wir haben uns eigentlich Arbeit gespart.

 

Und wir möchten ganz dringend, dass der Spaß und die Freude beim gemeinsamen Lernen im Vordergrund steht. Schauen wir mal alle in uns hinein, so stellen wir fest: eine Fehlerkorrektur ist definitiv nicht so schön, als eine vielleicht nur eine Sekunde vorher gegebene positive Rückmeldung an den Hund, die dann auch fehlervermeidend wirkt.

 

Ich wünsche mir, dass ganz viele Menschen sich dem positiven, belohnungsorientierten  und gewaltfreien Hundetraining zuwenden, es sich anschauen, anhören und zum Wohle ihres Hundes dann die einzig richtige Entscheidung treffen, die man treffen kann: es zu tun!

 

Lieben Dank, dass ihr bis zum Schluss ausgehalten habt, aber das musste jetzt mal raus….

 

Elke Kauth

 

 

 

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