Gastbeitrag von Elke Kauth

Am 21.01.2012, startete das Duisburger Zoofachgeschäft Norbert Zajac mit dem Verkauf von Hundewelpen. Die Welpenanlage kostete im Vorfeld 800.000 €, im April sollte sie sogar nochmal erweitert werden. In Interviews gab Herr Zajac an, dass er mit 1.000 verkauften Welpen im Jahr rechnet.

Lohnender Welpenverkauf? 

In einem Zeitungsbericht (Der Westen) vom 19.3.2012, also knapp 8 Wochen nach dem Start des Welpenverkaufs war zu lesen:

Dennoch berichtet Norbert Zajac von einem „schleppenden Verkauf“: Ein Grund für die unerwartete Flaute dafür sei ganz natürlich, ein anderer, die Ablehnung des Verbandes für das Deutsche Hundewesen (VDH).

Jetzt ist also der VDH Schuld am Umsatzrückgang von Herrn Zajac? Der VDH hatte schon immer in seiner Satzung stehen, dass der Verkauf in den Handel verboten ist – ein Zoofachgeschäft ist „Handel“, von daher stellt sich das für den aufmerksamen Beobachter anders dar. Wiederholt sei auch in diesem Zusammenhang ein ausdrücklicher Dank an den VDH gerichtet, dass er sich nochmals ganz offen gegen den Welpenhandel im Zoofachgeschäft äußerte und dies auch in seiner Satzung deutlich macht.

Aber nicht nur der VDH sei schuld an diesen schlechten Verkaufszahlen, nein – es gibt ja in der Winterszeit nicht so viele Geburten, sagt Herr Zajac. Es liegt also nicht an der Nachfrage, sondern am Angebot, er bekomme nicht genügend Welpen herein. Ja woher soll er die denn auch noch bekommen?

Nach eigenen Aussagen (Der Westen, 19.3.11) wechselten gerade mal 60-70 Welpen aus den Schaukästen des Zoofachgeschäftes in die Obhut ihrer neuen Familien. Eine verschwindend geringe Zahl zu dem was er eigentlich vor hatte und sich erhoffte! Seine Wunschvorstellung waren 1.000 Welpen im Jahr, ergibt ca. 83 Welpen pro Monat; nach über 2 Monaten ist also noch nicht einmal das Monatslevel erreicht. Erfreulich für alle Gegner des Welpenhandels.

Nach einem halben Jahr…

Am 17.07.2012 gab es erneute Verkaufszahlen, veröffentlicht von „Der Westen“.

Nun muss der Geschäftsmann seine Pläne nach unten korrigieren. Denn verkauft hat er im ersten Halbjahr als Hundehändler nach eigenen Angaben nur 230 statt der avisierten 500 Welpen.

Somit hat er über die Hälfte weniger Welpen verkauft als geplant. Meiner Meinung nach hängt das auch mit den vielen Aufklärungskampagnen, Infos direkt vor Ort aber auch ganz viel im Internet, zusammen.

Sinnvolle Aufklärung

Am 19.03.12 veröffentlichte „Der Westen“ folgendes:

Die Tierschützer hatten ihren öffentlichkeitswirksamen Protest schon wenige Tage nach dem Verkaufsstart beendet. Demonstrationen also konnten potenzielle Käufer seither nicht mehr abschrecken.

Die Tierschützer haben ihren Protest natürlich noch lange nicht beendet. Es gab einige Demonstrationen, wenn auch nicht immer direkt vor seinem Geschäft und es sind auch zukünftige Demonstrationen geplant. Ebenso finden in regelmäßigen Abständen Infoveranstaltungen von HUND Oberhausen gegen den Welpenhandel direkt vor Ort statt, die sehr gut angenommen werden. Auch die Trainergemeinschaft Beratung vor dem Welpenkauf war aktiv mit Zeitungsberichten und Veröffentlichungen und steht dem fragenden und interessierten Welpenkäufer auch heute noch kostenlos zur Verfügung.

Am 17.07.2012 schrieb „Der Westen“

Dass der schleppende Start ein Erfolg der Tierschutzorganisationen ist, die gegen ihn im Internet und auf der Straße mobil gemacht haben, bestreitet Zajac.

Er glaubt noch immer nicht daran, dass Aufklärung zwar nicht von heute auf morgen funktioniert, aber irgendwann kommt es dann doch bei den Menschen an. Im Internet wird nach wie vor sachliche Kritik geübt und aufgeklärt; in Facebook gibt es viele informative Gruppen und Seiten – ich denke schon, dass informierte Welpenintressenten Abstand nehmen vom Kauf im Handel.

Der wahre Grund

Herr Zajac selbst sieht die Gründe für den schlechten Verkauf ganz woanders. Wie bereits erwähnt trägt der VDH eine Mitschuld, weil VDH-Züchter keine Welpen an ihn verkaufen. Am 17.07.2012 schrieb „Der Westen“

Er hat eine eigene Erklärung für den unerwartet niedrigen Absatz: „Ich dachte, es gibt mehr gute Züchter.“

Oh, ich glaube da hat er Recht. Es gibt mehr gute Züchter, die ihm eben keine Welpen verkaufen. Er meinte es wohl anders, denn er sagte weiter…

Von den vielen Hundezüchtern, die er mit seinen Veterinärinnen deutschlandweit besucht hat, „hält die Hälfte die Tiere ganz schlimm. Von diesen Leuten will ich keine Hunde kaufen.“ Diese seien schlecht oder gar nicht sozialisiert, in Kellern und in der Kälte aufgewachsen. „Solche Haltungsbedingungen wollen wir nicht fördern.“

Es ist nicht ganz nachvollziehbar für mich, weshalb er denn gegen solche Zustände keine Anzeige erstattet hat. Auch die Veterinärinnen, die das gesehen haben, verschlossen die Augen? Nirgendwo war auch nur ein Satz darüber zu lesen, dass Herr Zajac oder seine MitarbeiterInnen diese Missstände beim Verband oder dem Veterinäramt gemeldet hätten.

Einen weiteren Grund für den schlechten Verkauf erklärt er ebenfalls am 17.07.2012 in „Der Westen“

Des Weiteren, so Norbert Zajacs Darstellung, müsse er nach der Eingangsuntersuchung die Hälfte der Hunde, die ihm die ausgewählten Züchter liefern, „leider wieder zurückschicken“. Seine Tierärztinnen hätten etlichen Welpen unter- beziehungsweise überständige Mäuler, Atemprobleme und andere körperliche Schäden attestiert: „Aber wir können es uns nicht leisten, Hunde mit Zuchtfehlern zu verkaufen.“

Ich konnte keinen Beleg oder zweite, unabhängige Aussage finden, die beweist, dass so viele Welpen von ihm zurückgegeben wurden. Aber auch keine die das Gegenteil beweist. Ich persönlich glaube es nicht, aber das ist meine persönliche Meinung. Er hatte einfach keine entsprechenden Angebote und die Hunde, die er hatte, saßen z.T. über Monate in diesen Verkaufskästen.

Die Welpen, welche Herr Zajac verkauft besitzen keine Papiere und dürfen somit auch nicht als reinrassige Hunde verkauft werden. Es handelt sich quasi um Mischlinge, auch wenn beide Elterntiere der gleichen Rasse entstammen. Deshalb darf auf den Verkaufsschildern auch nicht „Labrador“ stehen, sondern da muss stehen Hund „Typ Labrador“.

Leider liegen mir derzeit keine aktuellen Verkaufszahlen vor und ich erwarte den nächsten Bericht incl. der Ausreden von Herrn Zajac schon sehr gespannt.

Fazit

Noch immer gibt es für mich zwei ganz wichtige und nach wie vor unbeantwortete Fragen:

  • Wo kommen die Welpen her?
  • Was passiert mit den Welpen, die nicht verkauft werden?

Immer wieder wird beobachtet, dass die Welpen über Wochen, ja manchmal sogar Monate in diesen Schaukästen sitzen, ohne Familie, ohne Umwelt, ohne dass sie täglich über mehrere Stunden in der freien Natur rennen, toben und spielen können. Auch große Hunde Typ Dalmatiner, mit einem sehr hohen Laufbedürfnis saßen dort über 3-4 Monate, aber auch ettliche andere.

Auf der offiziellen Facebook-Seite steht:

Sogenannte Ladenhüter gibt es bei uns nicht. Zum Beispiel haben unsere Katzen eine durchschnittliche Aufenthaltsdauer von vier Tagen. Sollte ein Hund länger bleiben, wird er mit einem passenden Wurf vergesellschaftet und muss nicht allein sitzen.

Die Erfahrung und die regelmäßigen Beobachtungen zeigen etwas anderes – leider.

Sehr besorgniserregend sind zudem Aussagen von Herrn Zajac, dass die Welpenverkäufer (Züchter oder Privatpersonen) ihren Namen nicht öffentlich nennen sollen! Hierzu folgendes Zitat (Quelle: Der Tagesspiegel „Der Welpenkrieg: Kleine Hunde aus dem Zoogeschäft“ von Veronica Frenzel, 03.03.12):

Dem Züchter befiehlt er: „Nennen Sie der Presse niemals Ihren Namen!“.

Aus welchem Grund sollen Züchter, die ihre Hunde bei Herrn Zajac anbieten, ihren Namen nicht nennen? Sind diese Zuchtstätten doch nicht so in Ordnung, wie Herr Zajac uns allen glauben machen möchte?

Vieles, was im Vorfeld mitgeteilt wurde seitens Herrn Zajac, hat sich nicht bewahrheitet. Er konnte die gewünschte Verkaufszahl offenbar nicht erreichen, die Züchter stürmten nicht sein Geschäft und haben ihm ihre Welpen angeboten, die Hunde verblieben deutlich länger bei ihm, als geplant – es lohnt sich nicht, Hundewelpen zu verkaufen, und es wird sich auch in Zukunft nicht lohnen.

Wir, die Gegner des Welpenhandels, werden nicht müde mit unseren Aufkärungen und Informationen – wir bleiben am Ball.

Ich werde weiterhin berichten….

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