Gastbeitrag von Elke Kauth

Das Zoofachgeschäft Zajac in Duisburg hat trotz vieler Widersprüche, den Verkauf von Hundewelpen am 21.01.2012 gestartet. Eine Woche vor Verkaufsstart kamen die ersten Hunde bei Herrn Zajac in Quarantäne – es waren Dackelwelpen von einem sogenannten „Züchter“.

Hm, wollte Herr Zajac Hunde beim Züchter kaufen? Da war doch was am 20.05.11, da gab es doch eine Aussage von ihm, die da lautete:

Wir kaufen nicht bei Verbänden, wir kaufen nicht bei Züchterorganisationen (…)

Die Dackelwelpen waren von einem Züchter; etwa einem der in keinem Verband züchtet? Das wäre ja dann aber gar kein seriöser Züchter, sondern ein Vermehrer. Oder ist der Dackelzüchter doch in einem Verband und man kann Herrn Zajac’s Worten nicht so recht vertrauen?

Seriöse Züchter

Mir persönlich fällt es sehr schwer von einem „Züchter“ zu sprechen, wenn dahinter Menschen stehen, die Welpen produzieren und diese dann in einer Zoofachhandlung zum Weiterverkauf anbieten. Ein seriöser Züchter würde das niemals übers Herz bringen.

Der unwissende Leser fragt sich jetzt sicherlich: Wie unterscheidet sich ein seriöser Züchter von einem unseriösen oder gar einem Vermehrer? Sind die sog. VDH-Züchter alle seriös und verantwortungsbewusst? Wie ist das mit Züchtern die mit einem anderen Verein/Verband als dem VDH züchten? Um mir dazu ein genaueres Bild zu machen, hab ich mit verschiedenen Züchtern gesprochen, mich mit einzelnen Vereinen und Verbänden in Verbindung gesetzt, mir viele Websites angeschaut und mit vielen Welpenbesitzern Gespräche geführt.

Daraus resultierend möchte ich sagen: in allen Vereinen und Verbänden gibt es seriöse und unseriöse Züchter, auch im VDH gibt es schwarze Schafe. Dennoch sind die Richtlinien und Verordnungen des VDH mit die umfangreichsten und strengsten. Der VDH ist der einzigste Zuchtverband, der von jeher die Abgabe in den Handel verbietet, der öffentlich Stellung zum akteullen Welpenverkauf bezogen hat und seine Satzung dahingehend erweiterte, dass Züchter ihre Welpen auch nicht an den Zoofachhandel abgeben dürfen.

Leider habe ich auch die Erfahrung gemacht, dass es „Züchter“ gibt, angemeldet in einem Verein mit Zwingername und allem was dazugehört, die kein Problem damit haben, ihre Welpenkäufer zu belügen und zu betrügen. In den mir bekannten Fällen wurden natürlich Anzeigen erstattet; solche Menschen werden sich bald nicht mehr „Züchter“ nennen dürfen, sie waren es auch nie.

Dabei handelt es sich jedoch um Einzelfälle. Die große Mehrheit züchtet seriös und verantwortungsbewusst und gibt von daher ihre Welpen auch nicht an den Zoofachhandel ab!

Ganz grob zusammenfassend möchte ich folgende Punkte herausnehmen, die einen seriösen Züchter ausmachen:

  • er züchtet nur eine Rasse, allerhöchstens zwei
  • die Hunde werden im Haus gehalten und haben somit engen Familienanschluss
  • die Mutterhündin ist anwesend, im günstigsten Fall auch der Vater und alle weiteren Hunde, die bei und mit ihm leben
  • nach einem ausführlichen Telefonat finden i.d.R. mehrere Treffen beim Züchter statt, der viele Fragen stellt, aber auch alle Fragen der Interessenten beantwortet
  • seriöse Züchter sind um die Gesundheit sehr bemüht und lassen neben den Impfungen auch noch viele andere, rassetypische (Erb)Krankheiten, wie Hd, Ed, MDR1, TNS, PRA, CEA/CH etc. untersuchen und können dies auch belegen
  • die Hunde, einschl. der Welpen, verhalten sich offen und frei, zeigen keine Unsicherheiten oder gar Meideverhalten, sie sind interessiert an Fremden und an ihrer Umwelt.
  • die Welpen werden nicht vor der 8. Lebenswoche in die neue Familie gegeben und in den ersten Wochen besteht eine Art „Hotline“ zum Züchter.

Ein Welpenkäufer kann sich also jederzeit – ein Hundeleben lang – an seinen Züchter wenden, wenn er Fragen oder Probleme hat. All dies kostet den Züchter sehr viel Geld und Zeit. Es ist ja nicht nur, dass die Welpen gefüttert und geimpft werden müssen. Häufig sind viele Ausstellungsbesuche nötig, die z.T. viele Kilometer entfernt liegen, manchmal müssen Übernachtungskosten eingeplant werden. Auch die Untersuchungen der Elterntiere sind sehr teuer.

Unseriöse Züchter?

Wie sieht das ganze nun aber mit den „Züchtern“ aus, die ihre Welpen in den Zoofachhandel geben zum Weiterverkauf? Auch diese Welpen könnten in der Familie aufgewachsen sein, bis zur Abgabe in die Quarantänestation, in welcher sie dann ohne Mutter, allein in einem gefließten Raum zunächst ihr Dasein fristen. Kein seriöser Züchter mit dem ich Kontakt hatte, würde seine Welpen in eine derartige Unterbringung abgeben.

Nach 8-10 Tagen Quarantäne werden die Welpen umgesetzt in die Verkaufsschaukästen. Diese sind ebenfalls gefließt. Die Kleinen haben Decken und Spielsachen, das Verkaufspersonal kümmert sich um die Reinigung und Fütterung, aber wo ist der Familienanschluss, den ein Welpe in diesem Alter so dringend nötig hat? Wie kann er seine Umwelt kennenlernen, was in diesem Alter so wichtig ist?

Herr Zajac wirbt ja damit, dass sich außer dem Verkaufspersonal auch Hundetrainer um die Welpen kümmern, aber ist das ein Ersatz zur Familie? Welpen sind nach 20-30 Minuten müde, platt, kaputt – was ist mit den restlichen 23,5 Stunden?

Ein Zoofachgeschäft will und muss ja auch überleben. Also sagt mir mein normaler Menschenverstand, dass die Welpen billiger eingekauft als verkauft werden. Dies wiederum bedeutet für die „Züchter“, dass sie nicht so viel Geld erwarten können, als wenn sie den Welpen selbst in eine Endstelle verkaufen; der Händler will ja auch verdienen, zudem er ja auch Kosten hat (Pflegepersonal, Hundetrainer, Tierärzte, Futter, Spielsachen). Bei geringeren Einnahmen achtet man deutlich mehr auf die Ausgaben, man ist sparsamer. Wo sparen also die sog. „Züchter“ am ehesten? Als einzig logische und rentable Antwort finde ich nur folgende: bei den gesundheitlichen Untersuchungen, da diese extrem teuer sind.

Also ist davon auszugehen, dass die Elterntiere der Welpen, die im Zoofachhandel verkauft werden, nicht besonders gründlich auf Erbkrankheiten untersucht wurden, was für den zukünftigen Halter gewisse Risiken birgt, verbunden mit hohen, finanziellen Belastungen.

Menschen, die ihre Welpen an den Zoofachhandel zum Weiterverkauf abgeben, haben wohl auch wenig Interesse daran, zu wissen und zu überprüfen, was aus ihren Welpen wird oder geworden ist, wo sie hinkommen, wie sie leben und sich entwickeln werden. Den Verkauf übernimmt ja der Zoofachhandel, genau so wie die Beratung. Ist das Verkaufspersonal des Zoofachhandels über alle rassetypischen Eigenschaften, Krankheiten, Bedürfnisse etc. so gut informiert wie ein seriöser Züchter?

Wohl eher nicht! Von daher bleibt mir einfach nur zu sagen: kein seriöser Züchter gibt seine Welpen an den Zoofachhandel…! Unseriöse Züchter zeichnen sich u.a. durch ihre Interessenlosigkeit bei der Entwicklung und dem Verbleib ihrer Welpen aus. Da sie auch keinen Wert auf umfangreiche und wichtige Untersuchungen bzgl. der Erbkrankheiten der Vorfahren legen, ist ihnen auch das gesundheitliche Wohl der Welpen egal. Das Leid der Hundehalter, die dann einen kranken Hund pflegen müssen, spielt bei solchen Menschen auch keine Rolle.

Die Reaktionen

All das kümmerte aber Herrn Zajac nicht, er startete seinen Welpenverkauf trotz vieler Proteste namhafter Kynologen, Vereinen, Verbänden, Hundetrainern und Tierschutzorganisationen. Große Futtermittelhersteller wie Happy Dog, Royal Canine, Eukanuba, Dr. Clauders, Orijen etc. haben sich öffentlich gegen den Verkauf von Welpen im Zoofachhandel gestellt, obwohl sie den Verkauf ihrer Produkte bei Zajac wegen kartellrechtlicher Gesetzgebung leider nicht unterbinden können.

Viele Hundeschulen und -trainer haben sich zu der Initiative Beratung vor dem Welpenkauf zusammengeschlossen und beraten kostenlos zukünftige Welpenbesitzer. Ein schöner Nebeneffekt in diesem ansonsten eher gruseligen Geschehen.

Trotz vieler Aufklärung und Infos gibt es leider dennoch Menschen, die nicht weiter nachdenken und ihren Welpen aus dem Zoofachgeschäft kaufen. Es ist schon schwer, diesen kleinen Wesen zu widerstehen und die Emotionen siegen häufig vor dem Verstand – leider. Denn durch jeden Kauf eines dieser süßen Welpen, wird die Produktion weiter angekurbelt, wird der unseriöse Züchter sowie der Händler Geld verdienen, alles auf dem Rücken der Hunde und letztendlich auch auf dem der Halter.

Probleme des zukünftigen Hundehalters

Mit welchen Problemen hat ein zukünftiger Halter eines Zoofachhandels-Welpen zu rechnen?

Zunächst einmal werden die Welpen bei Herrn Zajac mindestens so teuer (wenn nicht noch teurer) verkauft, als bei einem seriösen Züchter, der die Elterntiere gründlich untersuchen ließ. Die „Zajac-Welpen“ haben diese teuren und wichtigen Untersuchungen auf Erbkrankheiten i.d.R. nicht. Das erhöht also die Gefahr, dass der Welpe im erwachsenen Alter erkrankt und sehr viele Tierarztbesuche sowie eben auch die entsprechenden Kosten zu zahlen sind.

In der für die Welpen wichtigsten Entwicklungszeit, sitzen sie in gefließten Verkaufskästen, fernab von Familienanschluss und Umwelteinflüssen. Somit können wir ganz klar von Mängeln in der Sozialisierungsphase sprechen. Diese Mängel wiederum führen häufig zu Verhaltensauffälligkeiten bis hin zu Verhaltensstörungen. Helfen kann hierbei dann eine gute Hundeschule, die das aber auch nicht umsonst leisten wird; also noch mehr Kosten.

Eine weitere und sehr große Gefahr sehe ich auch in der fachlichen Beratung bzgl. Charaktereigenschaften und Bedürfnisbefriedigung der jeweiligen Rassen. Hunde, die nicht bedürfnisgerecht beschäftigt werden, zeigen auch sehr bald auffälliges Verhalten. Unterbeschäftigung oder „falsche“ Beschäftigung endet häufig in Aggressionsproblemen, einige Hunde beginnen zu zerstören oder werden krank.

Fazit: Hunde sollten keinesfalls in einem Zoofachhandel gekauft werden, die zu erwartenden Probleme sind deutlich zu groß.

Hat Herr Zajac das mittlerweile eingesehen und den Verkauf eingestellt? Mehr dazu im Teil 3…

 

 

 

 

 

 

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