Gastbeitrag von Elke Kauth

Im Spätsommer 2011 erfuhr ich davon, dass das Zoofachgeschäft Zajac in Duisburg ab Anfang 2012 Hundewelpen verkaufen möchte. Damals war ich der Überzeugung, dass dies auf gar keinen Fall soweit kommen wird.

Ich habe mich getäuscht. In Deutschland ist es erlaubt, Welpen über den Ladentisch zu verkaufen und Herr Zajac erhielt alle Genehmigungen, die dafür nötig sind und waren. Also sah ich mich genötigt, das Ganze genau zu beobachten, vieles zu hinterfragen und ich muss zugeben, meine Erschütterung stieg von Tag zu Tag.

Wie alles begann

Bereits am 20.5.2011, also gut 8 Monate vor dem geplanten Verkaufsstart (21.01.12), sprach Herr Zajac in der Sendung Nachtcafe über sein Vorhaben. Damals waren seine Worte:

Wir kaufen nicht bei Verbänden, wir kaufen nicht bei Züchterorganisationen (…) Es haben sich schon einige gemeldet, doch die ohne Papiere dann abgeben wollen, unter der Voraussetzung, dass ich es nicht weiter sag. Sind wir allerdings nicht dran interessiert.

Eine weitere Aussage in dieser Sendung war:

Kunden kommen auf uns zu und bieten uns ihren Wurf an.

Fragen über Fragen

Ich hatte so viele Fragen… Woher bezieht er denn seine Welpen? Alle von privat? Was bedeutet das denn? Jeder Hündinnenbesitzer spart sich die Kastrationskosten für seine Hündin, weil macht ja nichts wenn sie gedeckt wird, die Welpen sind ja über den Zoofachhandel zu verkaufen – möglichst noch gewinnbringend! Der ganze Wurf auf einmal! Hm, liest sich nach einem lohnenden Nebengeschäft für jeden privaten Hundehalter, oder nicht?

Durch ein solches Verhalten wird ganz klar die Produktion von Hundewelpen gefördert. Haben wir denn nicht genügend Hunde in unseren Tierheimen? Wozu müssen denn jetzt noch Privatpersonen dazu ermuntert werden – auch wenn dies nicht deutlich ausgesprochen wurde – weniger verantwortungsbewusst mit ihrer Hündin umzugehen in der Zeit ihrer Läufigkeit? Wer hat denn was davon? Der Zoofachhandel, der diese Welpen verkauft und natürlich der Besitzer der Mutterhündin, der seine Welpen an den Zoofachhandel abgibt zum Weiterverkauf – Ware Hund!

Eine weitere Frage die mich sehr beschäftigt hat: Wohin werden die Welpen denn vermittelt? Wie gut werden die zukünftigen Welpenbesitzer im Vorfeld überprüft? Wie viele Gespräche werden geführt, wie gut wird darauf geachtet, dass der Welpe zu dem Menschen „passt“? Was wenn der Welpe dann doch nicht passt, wer nimmt ihn zurück?

Bei einem Züchter oder beim Tierschutz wird im Vorfeld genau geprüft und im Notfall wird der Hund auch wieder zurück genommen – aber wie ist das im Zoofachhandel? Landen diese Tiere dann alle in den Tierheimen oder werden privat und somit unkontrolliert weitervermittelt, wenn man nicht klar kommt oder ihnen überdrüssig wird? Würde sich jemand, der sich einen Welpen im Zoofachhandel kauft denn an eine kompetente Hundeschule wenden bei Problemen? Überhaupt, was sind das für Menschen, die ihre Welpen abgeben ohne sich weiter dafür zu interessieren, was aus ihnen wird?

Eine weitere wichtige Frage, die ich mir anfangs stellte war, wie die Welpen denn im Zoofachgeschäft beschäftigt werden, wer sich um sie kümmert, wer ist nachts bei ihnen oder sind sie da alleine auf sich gestellt? Wie werden sie vorbereitet auf ein zukünftiges Leben in einer Familie, einem Haushalt vielleicht mit Kindern oder anderen Tieren? Wer geht mit ihnen raus und zeigt ihnen die Umwelt, zeigt ihnen, dass sie sich vor nichts wirklich fürchten müssen, auch wenn mal ein lauter Lkw vorbeifährt, Kinder toben und schreien? Wer bringt den Welpen denn bei, wo sie ihr Geschäft erledigen sollten in Zukunft – sie sind doch nur in diesen „Schaukästen“ ohne natürlichen Boden?

Böse Tierschützer

Ich hatte so viele Fragen und erstmal gar keine Antworten. Also entschloss ich mich bei Facebook in den entsprechenden Gruppen zu informieren. Es gab (und gibt noch immer) Gruppen die gegen diesen Handel sind, die kämpfen auf allen Ebenen. Aber es gab auch Befürworter des Welpenhandels, die meist aus Angestellten und Freunden vom Zoofachgeschäft Zajac bestanden und natürlich aus den Menschen, die ihre Welpen schnell loswerden möchten.

Meine Intension bestand darin, Antworten auf meine Fragen zu finden. Das Ergebnis war erschreckend, denn ich hatte noch mehr Fragen als zuvor und keine verwertbaren Antworten. Alle kritischen Fragen oder Anmerkungen wurden auf den Seiten und in den Gruppen der Befürworter per sofort gelöscht. Gegner des Welpenhandels wurden massiv beschimpft, ihnen – und somit auch mir – wurde unterstellt, dass man kein vernünftiges Gespräch führen könne, nur Drohungen ernten würde…!

War da etwas wahres dran? Sind Tierschützer alle so „böse“ und nicht fähig zu kommunizieren? Nein, sind sie nicht! Zumindest ich zähle mich zu der Sorte Mensch, die kommunizieren kann und zwar ohne Drohungen oder Beleidigungen. Die Mehrheit der Gegner des Welpenhandels über das Zoofachgeschäft, sind kompetente Gesprächspartner denen es einzig um das Wohl und die Entwicklung der Welpen geht.

Es gab Demonstrationen sowie Infoveranstaltungen in Duisburg, z.T. in direkter Nähe zum Zoofachgeschäft Zajac. Ich schließe nicht aus, dass bei Demonstrationen der eine oder andere Gegner des Welpenhandels nicht durchweg souverän und ruhig geblieben ist, aber war das dann jeweils unberechtigt? Gab es wirklich keine Provokationen seitens des Zoofachgeschäftes Zajac bei diesen Veranstaltungen? Mir sind einige Zwischenfälle berichtet worden, in denen Herr Zajac nicht besonders höflich oder nett aufgetreten ist, er u.a. die Polizei gerufen hat, die allerdings unverrichteter Dinge wieder abziehen musste, da alles in Ordnung war, alles im Vorfeld genehmigt war und alle Anschuldigungen seitens Herrn Zajac nicht zutrafen.

Ein weiterer Beweis dafür, dass nicht nur die Gegner oder Tierschützer ach so aggressiv reagieren würden; es kam wirklich genügend von der Befürworterseite an Provokationen, Aggressionen und unschönen Beschimpfungen, real als auch z.B. in Facebook.

Immer noch waren meine Fragen nicht zufriedenstellend beantwortet, mehr dazu im Teil 2…

 

 

 

 

 

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